Heute ist der 23.04.2026 und in Münster gibt es aufregende Neuigkeiten, die nicht nur die Stadt, sondern ganz Europa betreffen. An der Universität Münster wird am 1. Juli eine islamisch-theologische Fakultät eröffnet – die erste ihrer Art in Europa. Diese Einrichtung ist ein bedeutender Schritt in der Anerkennung der muslimischen Gemeinschaft und wird als Leuchtturmprojekt gesehen, das einen weltoffenen Islam fördern soll. Der Gründungsdekan Mouhanad Khorchide betont die immense Bedeutung dieser Fakultät für die muslimische Community in Deutschland.
Die Eröffnung dieser Fakultät kommt nicht von ungefähr. Zuvor existierte in Münster bereits das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT), welches jedoch dem Fachbereich für Philologie zugeordnet war. Jetzt erhält die neue Fakultät die Möglichkeit, eigenständig ein Promotionsrecht zu vergeben und Prüfungskommissionen zu besetzen. Die Finanzierung von acht Professorenstellen ist durch das Land Nordrhein-Westfalen gesichert, was die institutionelle Basis der Fakultät weiter festigt. Der akademische Betrieb soll im Wintersemester 2026/2027 beginnen, nachdem alle Gremien besetzt sind.
Ein Meilenstein für die Religionspolitik
Khorchide äußert sich auch zu den kritischen Blicken auf seine Arbeit und unterstreicht den Wunsch, aktiv Einfluss auf die Entwicklung der Fakultät zu nehmen. Er sieht den Islam nicht im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland. Stattdessen betont er ein „sowohl als auch“ und nicht ein „Entweder oder“. Themen wie Gendergerechtigkeit und Frauenforschung werden dabei eine zentrale Rolle spielen, was die Fakultät in einem modernen, gesellschaftlichen Kontext positioniert.
Die neue Fakultät wird auf einem neuen Campus der Theologien angesiedelt, der derzeit im Bau ist. Interessanterweise wird die Bezeichnung „Islamisch-Theologische Fakultät“ auch von einer Einrichtung in Sarajevo verwendet, die jedoch keine öffentliche Hochschule ist. Khorchide und sein Team möchten mit der Münsteraner Fakultät neue Maßstäbe setzen, und die Universität sieht sich als die erste dieser Art in Deutschland und ganz Europa.
Politische Unterstützung und gesellschaftliche Relevanz
Die Zustimmung aus der Politik ist ebenfalls bemerkenswert, insbesondere die Grüne-Bundestagsfraktion bezeichnet diesen Schritt als historisch für die Religionspolitik in Deutschland. Die Fakultät hat das Potenzial, nicht nur das akademische Leben in Münster zu bereichern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog und zur Integration in der Gesellschaft zu leisten.
In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Studierenden, die sich für Islamwissenschaften interessieren, erheblich erhöht. Begann alles 2010 mit nur drei Mitarbeitern und 13 Studenten, so zählt die Fakultät mittlerweile rund 450 Studenten und etwa 80 Mitarbeiter. Dies zeigt, dass das Interesse und die Notwendigkeit einer fundierten theologischen Ausbildung im Bereich des Islam stetig wachsen.
Mit der Gründung der islamisch-theologischen Fakultät in Münster wird ein wichtiger Schritt in Richtung einer offenen und vielfältigen Gesellschaft gemacht. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung auf die religiöse Landschaft in Deutschland auswirken wird und welche Impulse von dieser neuen Institution ausgehen.