Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster
Am Sonntag, dem 21. Juni 2023, war es endlich soweit: Heiner Wilmer (65) übernahm das Amt des Bischofs von Münster. Die Amtseinführung fand im Sankt-Paulus-Dom statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Stimmung war feierlich, und Wilmer wurde mit langem Applaus empfangen. Nach rund 15 Monaten ohne Bischof an der Spitze des Bistums Münster ist es nun also soweit, dass Wilmer, der auch seit Februar diesen Jahres Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, seinen Dienst antreten kann.
In seiner ersten Predigt ergriff Wilmer das Wort und sprach über die Unruhe der gegenwärtigen Zeit. Dabei thematisierte er das Verlangen der Menschen nach Sinn und Ewigkeit. Es war spürbar, dass er die Gläubigen ermutigen wollte, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Besonders berührend war, wie er indirekt auf den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche einging, indem er die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff und deren Erzählung „Die Judenbuche“ erwähnte. Wilmer unterstrich die Wichtigkeit, die Geschichten von Gewaltopfern und Überlebenden von Machtmissbrauch zu hören und zu würdigen.
Ein historischer Moment
Der Gottesdienst war nicht nur für die Gläubigen von Bedeutung, sondern zog auch zahlreiche Gäste aus der Politik und der Kirche an. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und die stellvertretende niedersächsische Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (Grüne) waren unter den Ehrengästen. Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Wilmer vom Papst Leo XIV. berufen wurde. In einer feierlichen Zeremonie wurde die päpstliche Ernennungsurkunde übergeben, was dem Ereignis noch mehr Gewicht verlieh. Ein schöner Brauch im Bistum Münster sah vor, dass gläubige Laien den Bischofsstab des Heiligen Luidger zum Altar brachten – eine symbolische Geste, die die Verbindung zur Tradition verdeutlicht.
Wilmer war zuvor Bischof von Hildesheim und trat die Nachfolge seines Vorgängers, Bischof Felix Genn, an, der im März 2025 altersbedingt zurückgetreten war. Bischof Genn überreichte Wilmer den Bischofsstab, eine Tradition, die den Übergang des Amtes markiert. Am Ende des Gottesdienstes bestätigte Wilmer Klaus Winterkamp (60) im Amt des Generalvikars und setzte damit einen wichtigen Schritt für die künftige Leitung des Bistums.
Ein Blick in die Zukunft
Auf die Frage nach der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche legt Wilmer großen Wert. Er betont, dass dies eine hohe Priorität für seine Amtszeit haben wird. Bereits in seiner Zeit in Hildesheim hatte er klar gemacht, dass Machtmissbrauch in der „DNA der Kirche“ liege. Diesen Satz hatte er im Jahr 2018 geäußert und bleibt ihm treu. Wilmer weist darauf hin, dass die Gefahr des Machtmissbrauchs in Gruppen besteht und dass die Aufarbeitung der Vorfälle in seinem vorherigen Bistum Hildesheim noch nicht abgeschlossen ist. Eine dritte Aufarbeitungsstudie, die auch seine Amtszeit umfasst, soll bis 2027 abgeschlossen werden.
Er selbst gesteht, dass er das Ausmaß an Vertuschung und Vergehen an Menschen, die in der Kirche geschehen sind, nicht vorhersehen konnte. Mit einem ehrlichen Blick zurück und einem klaren Fokus auf die Zukunft wird Wilmer sicher auch in Münster die Herausforderungen angehen, die vor ihm liegen.
Heute, am 22. Juni 2026, bleibt die Frage, wie sich die katholische Kirche unter seiner Führung entwickeln wird. In einem Bistum mit rund 1,6 Millionen Katholikinnen und Katholiken ist die Erwartungshaltung hoch, und die Herausforderungen sind gewaltig. Aber vielleicht ist das gerade der Antrieb, den Wilmer braucht, um mit frischem Wind und einem offenen Ohr für die Anliegen der Gläubigen zu arbeiten.
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