Fast jede zweite Frau fühlt sich in ihrem Alltag psychisch sehr belastet, wie eine aktuelle Studie zeigt. Diese Studie, die von der Kleine Zeitung veröffentlicht wurde, benennt mehrere Hauptursachen für diese Belastungen. Demnach empfinden 45% der Befragten Schlafmangel und Erschöpfung als bedeutende Faktoren, gefolgt von familiären Verpflichtungen und sozialen Erwartungen, die ebenfalls bei 45% der Frauen als belastend empfunden werden. Auch das Fehlen von Zeit für sich selbst, das von 40% der Frauen angegeben wird, spielt eine zentrale Rolle.
Besonders stark betroffen sind Frauen im Alter zwischen 25 und 54 Jahren, die häufig mehrere Verantwortlichkeiten gleichzeitig tragen. Hier berichtet die Studie von einer hohen psychischen Belastung, die sich in Gereiztheit und Stimmungsschwankungen äußert – ganze 43% der Befragten geben diese Symptome an. Darüber hinaus leiden ein Drittel der Frauen unter körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Verdauungsproblemen und verspüren oft eine hohe Motivationslosigkeit sowie Konzentrationsschwierigkeiten.
Digitale Reizüberflutung als Stressfaktor
Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die digitale Reizüberflutung, die von 36% der Frauen als belastend empfunden wird. Diese ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien wird auch von Experten wie Gerd Wirtz hervorgehoben, der in einem Beitrag von Focus erklärt, dass die digitale Dauerpräsenz das Gehirn unter ständigen Stress setzt. Er empfiehlt regelmäßige digitale Pausen, um die mentale Gesundheit zu fördern und Stress zu reduzieren. Immerhin plant über ein Drittel der Internetnutzer in Deutschland eine digitale Fastenzeit, um der Informationsflut entgegenzuwirken.
Die langfristigen Folgen ständiger digitaler Erreichbarkeit sind nicht zu vernachlässigen. Studien zeigen, dass ein erhöhter Cortisolspiegel, der aus ständiger Erreichbarkeit resultiert, negative gesundheitliche Folgen haben kann, wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus leidet die Schlafqualität durch digitales Übermaß, da das blaue Licht der Bildschirme die Melatoninproduktion hemmt. Dies führt bei vielen Nutzern zu Einschlafschwierigkeiten und einer insgesamt schlechteren Schlafqualität.
Technostress und seine Auswirkungen
Der Begriff „Technostress“, der sich mit den Stressreaktionen auf negative Erfahrungen mit Technologien beschäftigt, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Laut einer Untersuchung auf PMC sind digitale Technologien sowohl eine Quelle von Stress als auch ein Werkzeug zur Verbesserung der Lebensqualität. Technostress, verursacht durch Überlastung und technische Komplexität, wird als ein signifikanter Risikofaktor für psychische Erkrankungen betrachtet.
Eine kontinuierliche Aktivierung des menschlichen Stresssystems durch Technostress kann zu gravierenden Folgen wie Burnout führen. Dennoch gibt es auch positive Effekte, insbesondere in Bezug auf eine verbesserte Arbeitsorganisation. So kann die Flexibilität von digitalen Technologien helfen, berufliche und private Verpflichtungen besser in Einklang zu bringen.
Barbara Schrammel, Sozialpädagogin und Psychotherapeutin, fordert daher eine faire Aufteilung der Verantwortlichkeiten in Familien und Partnerschaften, um die psychische Belastung zu reduzieren. Ihr Appell richtet sich an die Gesellschaft, Überlegungen zur Balance im digitalen Alltag zu fördern und individuelle Grenzen zu respektieren.
