Die Papierfabrik Cordier in Bad Dürkheim, ein einst florierendes Traditionsunternehmen, hat in den letzten Jahren eine dramatische Wende erlebt. Vor knapp vier Jahren wurde die Produktion eingestellt, und am 30. Juni 2022 schloss die Dynos-Gruppe, die seit 2020 Eigentümerin ist, endgültig die Tore. Der gesamte Komplex mit seinen mehreren Gebäuden steht nun zum Verkauf, und die neuen Eigentümer berichten von Interessenten, die sich für das Areal interessieren. Doch der Zustand der verlassenen Gebäude ist alles andere als erfreulich – zerbrochene Fensterscheiben zeugen von Vandalismus und es gab bereits einen Einbruch. Diese Situation entspricht nicht den Erwartungen der neuen Eigentümer, die sich offenbar mehr von dieser Immobilie erhofft hatten. Eine detaillierte Bildergalerie zeigt die traurige Realität der einst blühenden Fabrik.

Die Schließung der Cordier Papierfabrik ist Teil einer umfassenden Neustrukturierung der Dynos-Gruppe aus Troisdorf. Diese Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Marktposition als Anbieter von Vulkanfiber, Pulp und Spezialpapier auszubauen. Die Übernahme der wesentlichen Vermögenswerte des US-amerikanischen Herstellers Cheney Pulp and Paper hat der Dynos-Gruppe einen wichtigen Vorteil auf dem internationalen Markt verschafft. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind herausfordernd. Aufgrund stark gestiegener Beschaffungs- und Energiekosten sieht die Dynos-Gruppe keine tragbare Perspektive für die Pulp-Fertigung am Standort Bad Dürkheim, was letztlich zur Schließung führte. Eine detaillierte Analyse der Umstrukturierung ist in einem Bericht zu finden.

Die Lage der deutschen Papierindustrie

Die Situation in Bad Dürkheim ist kein Einzelfall. Auch die gesamte deutsche Papierindustrie sieht sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete die Branche einen Produktionsrückgang von 3,1 Prozent auf 9,6 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen sind grafische Papiere, die einen Rückgang von 17 Prozent erleben. Während Verpackungspapiere einen leichten Anstieg von 1,5 Prozent zeigen, bleibt dieser hinter den Erwartungen zurück. Die Branche fordert dringend Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten, um den Fortbestand vieler Unternehmen zu sichern. Ein umfassender Überblick über die Krise der deutschen Papierindustrie ist hier zu finden.

Die Ausbildungszahlen sind ebenfalls alarmierend: Von 923 angebotenen Ausbildungsplätzen wurden nur 720 besetzt. Das zeigt, dass die Branche nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Nachwuchsgewinnung Schwierigkeiten hat. Die Regierung zeigt sich bislang passiv, während immer mehr Arbeitsplätze und Industriestandorte gefährdet sind. Die Situation in Bad Dürkheim spiegelt somit die Herausforderungen wider, die zahlreiche Unternehmen in der Branche momentan durchleben. Ein besorgniserregendes Bild, das Fragen aufwirft, wie es mit der Papierproduktion in Deutschland weitergeht.