Streit um traditionsreiche Bäckerei Sippel in Bad Dürkheim
In Bad Dürkheim, genauer gesagt im Stadtteil Ungstein, gibt es derzeit einen heftigen Streit um die traditionsreiche Bäckerei Sippel. Diese existiert seit 1898 und wird mittlerweile in vierter Generation von Amadeus und Isabel Böttinger geführt. Doch die Idylle ist in Gefahr. Anwohner beklagen sich über nächtlichen Lärm und intensive Gerüche, die durch die Bäckerei verursacht werden, die inzwischen auch andere Filialen beliefert. Eine Nachbarin sprach sogar von nächtlichem Wecken durch die Geräusche. Trotz der Errichtung einer Lärmschutzwand vor fünf Jahren fühlen sich die Anwohner nicht ausreichend geschützt.
Die Bäckerei beschäftigt etwa 45 Mitarbeitende, die sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Amadeus Böttinger äußerte besorgt, dass die Bäckerei möglicherweise schließen müsse, wenn kein neuer Standort gefunden wird. Die Kreisverwaltung hat bereits die Produktion am aktuellen Standort untersagt, da der Betrieb in einem reinen Wohngebiet nicht mehr genehmigt werden könnte. „Die Bäckerei hat sich über einen klassischen Nahversorger hinaus entwickelt“, so ein Vertreter der Kreisverwaltung, was einen „fortdauernden Baurechtsverstoß“ darstellt. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld erklärte, dass die Expansion der Bäckerei rechtlich nicht zulässig sei und dass der Bäckerei seit fast 20 Jahren bekannt sei, dass das Produktionsausmaß nicht konform ist.
Die Suche nach einer Lösung
Die Stadtverwaltung Bad Dürkheim denkt darüber nach, das Wohngebiet in ein Misch- oder Industriegebiet umzuwandeln, um die Produktion zu legalisieren. Doch der Landrat ist skeptisch gegenüber dieser Umwandlung. Eine Anhörung zur Nutzungsuntersagung wurde bereits an die Bäckerei geschickt. Aktuell darf die Bäckerei nur noch so viel produzieren, dass die Anwohner im Wohnviertel versorgt werden. Eine Online-Petition für den Erhalt der Bäckerei am aktuellen Standort hat bereits über 7.000 Unterschriften gesammelt. Unterstützer argumentieren, dass die traditionsreiche Bäckerei nicht wegen Beschwerden einzelner Nachbarn schließen oder umziehen sollte.
Ein weiterer Aufschrei kam vor einigen Jahren von einer neu zugezogenen Nachbarin, die sich über den Lieferverkehr der Bäckerei beschwerte und eine baurechtliche Neubewertung anstieß. In der Folge wurde der Betrieb der Backstube durch die Kreisverwaltung untersagt. Isabel Böttinger, die zusammen mit ihrem Mann die Geschäftsführung übernommen hat, äußert, dass sie die Bäckerei vielleicht verlassen müssen. Dies geschah erst im März 2025 – ein Zeitpunkt, der für die Bäckerei Sippel als besonders schwierig erscheint.
Die Zukunft ist ungewiss
Die Bäckerei hat in den letzten Jahren ihre Filialen auf insgesamt sechs erweitert und beschäftigt rund 40 Mitarbeitende. Ein Umzug in ein Gewerbegebiet wird als mögliche Lösung diskutiert, würde jedoch hohe Investitionen und Zeit erfordern. In der Vergangenheit hatte die Bäckerei mehrere Anbauten und Erweiterungen genehmigt bekommen, doch der Bestandsschutz gilt nur für das, was bereits besteht. Fachanwalt Malte Brix erklärt, dass dieser Schutz nicht für bauliche Erweiterungen oder Nutzungsänderungen greift. Die Betreiberfamilie hat in Lärmschutzmaßnahmen investiert und sieht sich nun mit Existenzängsten konfrontiert.
Die Situation ist angespannt und die Stimmung in der Nachbarschaft sehr aufgeheizt. Landrat Ihlenfeld zeigt sich besorgt und sucht nach einer schnellen Lösung, um die Bäckerei zu erhalten und gleichzeitig die Interessen der Anwohner zu wahren. Die Entscheidung über mögliche Klagen der Nachbarn soll Ende des Jahres fallen. Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt die Frage: Wie wird es mit der traditionsreichen Bäckerei Sippel weitergehen? Das alles bleibt abzuwarten.
Für weitere Informationen und Details zu diesem Thema können Sie den Artikel auf SWR und Rheinpfalz nachlesen.
