Am Freitagmittag fand in der Klosterstraße in Germersheim eine berührende Zeremonie statt, die vielen Anwesenden sehr naheging. Ein Stolperstein wurde vor dem Elternhaus von August Ebinger verlegt, einem Mann, der von 1945 bis 1952 als Bürgermeister der Stadt diente. Etwa 50 bis 60 Interessierte hatten sich versammelt, um diesem wichtigen Moment beizuwohnen. Der Stolperstein soll nicht nur an die Person Ebinger erinnern, sondern auch als Mahnmal für alle Generationen dienen. Viele hatten wohl ein bisschen Gänsehaut, als sie daran dachten, wie viel dieser Stein symbolisiert – Standhaftigkeit und Hilfsbereitschaft in einer Zeit, die von Dunkelheit geprägt war.
August Ebinger wurde am 15. Februar 1888 in Germersheim geboren. Er wuchs in einem christlichen Elternhaus auf und wurde bereits 1914 als Soldat im Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach dem Krieg kämpfte er sich durch schwierige Zeiten in Germersheim, das unter dem Druck der Wirtschaftskrise zu leiden hatte. Die Nationalsozialisten gewannen nach dem Abzug der französischen Truppen 1931 zunehmend Einfluss, und Ebinger, ein politischer Mann, stand bald vor großen Herausforderungen. Am 22. Juni 1933 wurde er von Nationalsozialisten aus Germersheim vertrieben – eine Demütigung, die ihn bis zu seinem Nervenzusammenbruch verfolgte.
Ein Lebensweg voller Widrigkeiten
Nach Jahren des Exils kam Ebinger 1945 zurück und übernahm nach dem Krieg das Bürgermeisteramt. Bei den Gemeinderatswahlen 1946 wurde er als Gründungsmitglied der neuen Pfälzer CDU mit den meisten Stimmen gewählt. Seine erste Aufgabe war die Entnazifizierung der Stadt. Es war eine gewaltige Herausforderung, denn die Nachkriegszeit war von Nahrungsmittel- und Wohnraummangel geprägt. 1952 verlor er die Wahlen an Fritz Wolf, der bereits 1933 Bürgermeister gewesen war und mit dem Ebinger die Geschichte von Germersheim teilt.
Die Initiatoren der Stolperstein-Verlegung, Klaus Jung, Ansgar Mohr und Micha Mohr vom Verein Interkultur, haben mit diesem Projekt einen wichtigen Schritt getan. Es ist ein Zeichen an die Stadt und alle, die sich für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus einsetzen. Der Stolperstein für August Ebinger wird am 29. Mai 2026 verlegt. Es ist ein Moment, auf den viele in der Gemeinde hinfiebern.
Stolpersteine – Ein umstrittenes Gedenken
Stolpersteine sind ein recht kontroverses Thema. Auf der einen Seite gibt es viele Unterstützer, die in dieser Form des Gedenkens eine wichtige Möglichkeit sehen, die Erinnerung lebendig zu halten. Auf der anderen Seite wird das Konzept von Personen wie Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, kritisiert. Sie bezeichnete die Idee, die Namen von ermordeten Juden auf im Boden eingelassenen Tafeln zu lesen, als „unerträglich“. Die Meinungen sind geteilt, und einige Städte haben Stolpersteine abgelehnt oder sie wieder entfernt. Es ist ein Thema, das auch in Germersheim nicht ohne Diskussionen bleibt.
In Städten wie München gibt es sogar Widerstand gegen die Verlegung von Stolpersteinen, während andere Städte wie Krefeld nach Bürgerbegehren unter Auflagen Stolpersteine genehmigten. August Ebingers Geschichte und der Stolperstein sind Teil dieser breiteren Diskussion über das Gedenken an NS-Opfer und die Art und Weise, wie wir mit der Vergangenheit umgehen. In Linz beispielsweise wird nach alternativen Formen des Gedenkens gesucht.
Man fragt sich, wie zukünftige Generationen auf diese Erinnerungen reagieren werden, und ob sie mit der richtigen Sensibilität und dem nötigen Respekt begegnet wird. Wie wird es in 50 Jahren aussehen? Werden wir immer noch über Stolpersteine sprechen? Irgendwie bleibt es spannend und herausfordernd, sich mit diesem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen.
