In Kaiserslautern, wo die Geschichte oft in den Mauern der alten Gebäude lebt, gibt es eine Geschichte, die viele vielleicht noch nicht gehört haben. Das Pfalztheater, einst ein Ort für Kunst und Kultur, stand an der Ecke Karl-Marx-Straße und Gasstraße, bis es 1944 zerstört wurde. In den 1930er Jahren war dort ein gewisser Karl Kipp als Opernsänger engagiert. Ein talentierter Mann, der aber auch eine tragische Rolle in der Geschichte spielte. Karl Kipp war homosexuell und wurde, wie viele andere, Opfer des Nazi-Terrors. Seine Geschichte wird besonders eindrücklich, wenn wir den 17. Mai betrachten, der als Tag gegen Homophobie begangen wird. An diesem Datum erinnern wir uns an die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 1990, Homosexualität nicht mehr als „Krankheit“ zu betrachten. Das fühlt sich heute fast wie ein Sieg an, nicht wahr? Und dann, im Jahr 1994, wurde endlich der „Schwulenparagraf“ 175 aus dem deutschen Strafrecht gestrichen.
Diese Daten sind wichtig. Sie erinnern uns nicht nur an den Kampf gegen Diskriminierung, sondern auch an die Geschichten von Menschen wie Karl Kipp, deren Leben durch Vorurteile und Hass stark beeinflusst wurde. Die dunkle Zeit des Nationalsozialismus hat viele Menschenleben gefordert und zahlreiche Schicksale zerstört. Und auch wenn die Verfolgung homosexueller Männer, wie im Fall von Kipp, gut dokumentiert ist, sind die Geschichten weiblicher Homosexualität oft weniger bekannt. Die Historikerin Anna Hájková hat darauf hingewiesen, dass lesbischen Frauen oft das Zeugnisablegen über ihre Erfahrungen unmöglich gemacht wurde. Viele von ihnen wurden nicht einmal als solche erkannt oder verfolgt, was die Sichtbarkeit ihrer Schicksale weiter einschränkte.
Die Sichtbarkeit von lesbischen Frauen
Im nationalsozialistischen Strafgesetzbuch gab es keine spezifische Bestrafung für lesbische Liebe, was die Diskussion darüber besonders kompliziert macht. Historiker Alexander Zinn argumentiert, dass lesbische Frauen nicht durch spezifische Gesetze verfolgt wurden, sondern unter anderen Vorwänden. Es ist ein Thema, das umstritten bleibt und immer wieder neu beleuchtet werden sollte. So wie die Geschichte von Mary Pünjer, einer Jüdin, die in Ravensbrück wegen ihrer Herkunft und ihrer Sexualität verfolgt und ermordet wurde. Diese Geschichten sind es wert, erzählt zu werden, denn sie zeigen die Komplexität der Verfolgung während des Nationalsozialismus.
Es gibt tatsächlich Berichte über lesbische Frauen, die sich nicht verstecken wollten. Ein Beispiel ist die Masseuse Gertrud R., deren Geschichte zeigt, dass sie und ihre Freundin keine Angst hatten, ihre Sexualität offen zu leben. Aber sie waren die Ausnahme. In vielen Fällen wurden lesbische Kontakte in Konzentrationslagern bestraft, was die Unterdrückung und Einschüchterung dieser Frauen verdeutlicht. Die Akten der Gestapo enthielten manchmal den Vermerk „lesbisch“, aber die Verfolgung blieb oft im Schatten der männlichen Homosexualität.
Ein Blick zurück und nach vorne
Wir sollten nie vergessen, dass die Realität für lesbische Frauen im Nationalsozialismus nicht nur von ihrer Sexualität, sondern auch von anderen Faktoren wie Geschlecht und sozialen Normen geprägt war. Historikerin Laurie Marhoefer spricht von einer „intersektionalen Form“ der Verfolgung, die zeigt, dass es nicht nur um die sexuelle Orientierung ging. Geschlechtsnonkonformismus führte ebenfalls zu Verhaftungen. Es ist ein Thema, das weiterhin erforscht werden muss, um den Opfern ein Gesicht zu geben und ihre Geschichten zu erzählen. Die Geschichte von Karl Kipp und anderen ist ein Teil davon, und wir sollten sie in Erinnerung behalten.