In Kusel fand kürzlich eine ausgebuchte Informationsveranstaltung im Horst-Eckel-Haus statt, die sich mit dem Thema Wolf beschäftigte. Die anwesenden Tierhalter und Interessierten zeigten großes Interesse an den Herausforderungen, die die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland mit sich bringt. Beate Heck vom Schaf- und Ziegenzüchterverband Rheinland-Pfalz machte deutlich, dass niemand gerissene Tiere auf der Weide sehen möchte. Sie betonte die Notwendigkeit, Züchter über Herdenschutzmaßnahmen aufzuklären und sie zur aktiven Sicherung ihrer Herden zu motivieren. Schutzmaßnahmen wie Schutzzaun wurden als sinnvoll erachtet, um Wölfe von den Tieren fernzuhalten.
Aktuell ist ein Wolf im Landkreis Kusel seit einigen Monaten aktiv. Ein Wolf darf jedoch erst geschossen werden, wenn er zweimal in eine geschützte Herde eingedrungen ist. Sven Bischoff, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, wies auf die Schwierigkeiten hin, einen Problemwolf zu erlegen, und unterstrich, dass gesellschaftliche Akzeptanz für Wolfsabschüsse sowie rechtliche Sicherheit für Jäger notwendig sind. Der Verwaltungsgericht Koblenz stoppte im Dezember 2024 den Abschuss eines Wolfs, der Schafe im Westerwald gerissen hatte, und das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat diesen Abschuss vorerst nicht freigegeben.
Herdenschutzmaßnahmen im Fokus
Julian Sandrini vom Kompetenzzentrum Luchs und Wolf (KLUWO) stellte Monitoringverfahren vor und erklärte, wie Tierhalter Schäden melden können. Unter den etwa 200 Besuchern der Veranstaltung gab es unterschiedliche Meinungen zum Thema Wolfsabschuss, jedoch herrschte Einigkeit über die Notwendigkeit von Herdenschutz. Ein Züchter von Merinolandschafen äußerte seine Angst um seine Tiere und berichtete von aktiven Schutzmaßnahmen wie dem Bau von Zäunen.
Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch und stellen Herausforderungen für die Nutztierhaltung dar. Sie ernähren sich zu über 95 % von Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen und Hirschen. Ungeschützte Weidetiere sind für Wölfe einfacher zu erlegen als Wildtiere. Deshalb sind Herdenschutzmaßnahmen entscheidend, um Wölfe davon abzuhalten, Nutztiere anzugreifen. Die Landesregierung unterstützt Tierhalter bei der Anschaffung von Herdenschutzmaßnahmen, jedoch variieren die Förderungen je nach Bundesland. Herdenschutz muss präventiv eingesetzt werden, um zu verhindern, dass Wölfe Weidetiere als Beute ansehen.
Die Situation der Wolfpopulation in Deutschland
Die Wolfpopulation in Deutschland zeigt im Monitoringjahr 2024/2025 einen Anstieg mit circa 219 Rudeln, 43 Wolfspaaren und 14 territorialen Einzeltiere. Diese hohe Wolfspopulation führt zu zunehmenden Wolfsrissen, besonders bei ungeschützten Weidetieren. Die Anzahl der verwundeten und getöteten Tiere stieg von 40 im Jahr 2006 auf rund 4.300 im Jahr 2024 bei etwa 1.100 Übergriffen, wobei hauptsächlich Schafe und Ziegen betroffen sind.
Finanzielle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle: Die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen betrugen 2024 etwa 23,4 Millionen Euro, während die Ausgleichszahlungen für Nutztierübergriffe ca. 780.400 Euro betrugen. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf (BZWW) wurde 2021 eingerichtet und hat die Aufgaben, eine Übersicht der Herdenschutzmaßnahmen zu erstellen und die Entschädigungspraxis zu verbessern.
Ein Ziel des Wolfsmanagements ist die Stärkung des Schutzes von Weidetieren und die Anpassungen im Natur- und Jagdrecht. Gesetzesänderungen haben den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen, was am 5. März 2026 beschlossen wurde. Dies ermöglicht ein aktives Bestandsmanagement bei günstigem Erhaltungszustand.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rückkehr der Wölfe in Deutschland sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Nutztierhaltung mit sich bringt. Die Diskussion um Herdenschutz und Wolfsmanagement bleibt von zentraler Bedeutung, um ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Tier zu fördern. Für weitere Informationen und Unterstützung stehen Tierhaltern die Angebote des BZWW zur Verfügung.