In Ludwigshafen steht der Carl-Wurster-Platz, der seit 1978 nach dem ehemaligen BASF-Chef benannt ist. Doch der Name wird nun auf den Prüfstand gestellt. Diskutiert wird eine mögliche Umbenennung – und das hat einen schwerwiegenden Grund. Carl Wurster war während seiner Zeit bei BASF Betriebsleiter im Werk der IG Farben und trug Verantwortung für die schreckliche Ausbeutung von rund 30.000 Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs. Die Lebensbedingungen dieser Arbeiter waren katastrophal. Historiker schätzen, dass etwa 1100 Arbeiter und Kriegsgefangene in Ludwigshafen durch die unmenschlichen Bedingungen und Luftangriffe ums Leben kamen. Dabei waren die Zwangsarbeiter nachts schutzlos den Bombenangriffen ausgeliefert. Eine Vorentscheidung zur Umbenennung des Platzes könnte bereits Ende Mai fallen, wie die Rheinpfalz berichtet.

Die Geschichte hinter BASF und IG Farben ist komplex und düster. Der Preisverfall von Naturkautschuk während der Weltwirtschaftskrise führte zur Aufgabe des Naturprodukts. In dieser Zeit entwickelte die IG Farben Buna, einen synthetischen Kautschuk, der als neue Chance im Rahmen der NS-Autarkiepolitik galt. Naturkautschuk war vollständig importabhängig und für die Motorisierung Deutschlands und die Wehrmacht unerlässlich. Der Bau von Synthesekautschuk-Anlagen verzögerte sich zunächst, die Technologie kam von verschiedenen Standorten, inklusive Ludwigshafen. Dort und in Leuna waren die Mitarbeiter maßgeblich an der Forschung, Entwicklung und dem Betrieb der vier Buna-Anlagen beteiligt. Doch die Schattenseiten dieser Industrie sind nicht zu übersehen: Im vierten Buna-Werk in Auschwitz mussten KZ-Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Schätzungen zufolge starben etwa 25.000 Menschen aufgrund der katastrophalen Arbeitsbedingungen oder in den Gaskammern von Auschwitz.

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

Während des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Kriegswirtschaft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Ab 1940 wurden Männer und Frauen aus den durch Deutschland überfallenen Ländern zwangsverpflichtet. Die Umstellung auf die Kriegswirtschaft des „totalen Kriegs“ im Jahr 1942 machte die Ausbeutung dieser Arbeitskräfte unerlässlich. Ausländische Arbeitskräfte machten in vielen Werksabteilungen mehr als ein Viertel der Belegschaft aus, in einigen Fällen sogar bis zu 60 Prozent. Im August 1944 arbeiteten rund sechs Millionen zivile Zwangsarbeiter im Deutschen Reich, vor allem aus Polen und der Sowjetunion, wobei über ein Drittel Frauen waren. Die Lebensbedingungen waren, je nach Herkunft und Geschlecht, oft erbärmlich. Ostarbeiter und Polen litten besonders unter Diskriminierung und Willkür.

Die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel ist bis heute ein heikles Thema. Die NS-Zwangsarbeit wurde lange Zeit nicht als spezifisches Unrecht anerkannt. Erst 65 Jahre nach Kriegsende begann eine Debatte über Entschädigungen für die Opfer der Zwangsarbeit. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hat rund 4,7 Milliarden Euro an 1,7 Millionen Überlebende ausgezahlt. Außerdem gibt es ein Online-Archiv, das 590 Erinnerungsberichte ehemaliger Zwangsarbeiter zugänglich macht. Diese Berichte sind ein wichtiger Teil der Aufarbeitung und Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit.