In der kleinen Stadt Neustadt an der Weinstraße schlägt ein Trio von Psychotherapeutinnen Alarm. Anne Schröter, Bianca Kaiser und Tamar Neubauer, die in der Kellereistraße praktizieren, machen auf die besorgniserregenden Folgen der neuen Gesetzespläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aufmerksam. Diese Pläne, die eine Honorarkürzung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vorsehen, könnten die ohnehin schon angespannte Versorgungslage noch weiter verschärfen. Besonders betroffen sind nicht nur die Therapeuten selbst, sondern vor allem die Patienten, die auf psychotherapeutische Hilfe angewiesen sind.

Ein Blick auf die Wartelisten zeigt das Dilemma: Tamar Neubauer gibt an, dass ihre Warteliste etwa anderthalb Jahre beträgt. Das ist verrückt, oder? In einer Zeit, in der viele Menschen dringend Unterstützung brauchen, hören die Betroffenen selten, dass sie bereits woanders untergekommen sind. Es ist ein starker Hinweis darauf, dass die Versorgungslage in der Psychotherapie schon jetzt kritisch ist. Neubauer denkt sogar darüber nach, die Warteliste ganz abzuschaffen, falls die Gesetzespläne in Kraft treten sollten. Ein mutiger Schritt, der zeigt, wie verzweifelt die Situation ist.

Konkrete Auswirkungen der Honorarkürzung

Die Honorarkürzung, die am 1. April in Kraft tritt, beträgt 4,5 Prozent. Ursprünglich hatten die Krankenkassen sogar eine Kürzung von 10 Prozent gefordert. Das Gesundheitsministerium hat sich jedoch entschieden, diese Kürzung nicht anzufechten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht diese Entscheidung als rechtswidrig und hat bereits Klage vor dem Landgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der KBV, hat versprochen, den Rechtsweg bis zum Ende auszuschöpfen. Man fragt sich: Wie lange kann es noch so weitergehen? Die Warnungen des Verbandes Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind alarmierend, denn sie befürchten eine Verschlechterung der ärztlichen Versorgung und noch längere Wartezeiten auf Therapieplätze.

Aktuell sind 41.937 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der vertragsärztlichen Versorgung tätig, was einen Anstieg von 54,61 Prozent seit 2014 bedeutet. Das klingt zwar positiv, doch die Realität sieht anders aus. Die steigenden Zahlen sind nicht unbedingt ein Garant für eine bessere Versorgung. Das Gesundheitsministerium plant zwar, die Voraussetzungen für eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zu schaffen, aber ob das ausreicht, bleibt fraglich.

Unterstützung für Therapeutinnen und Therapeuten

Inmitten all dieser Herausforderungen stehen die Therapeutinnen in Neustadt jedoch nicht allein. Es gibt Unterstützung, wie beispielsweise Plakatvorlagen zur Sensibilisierung für die Honorarkürzung, die im Format DIN A3 oder DIN A4 erhältlich sind. Diese könnten in Copyshops gedruckt werden, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Das Gesundheitswesen ist ein komplexes Netz, in dem jede Entscheidung weitreichende Folgen hat. Und während die Politik ihre Pläne schmiedet, bleibt die Frage: Wer kümmert sich um die Menschen, die aktuell auf Hilfe warten? Die Zeit wird es zeigen.

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