In der Bremer Neustadt kam es am Sonntag zu einem spannenden, wenn auch nicht ganz unerwarteten Vorfall. Aktivisten hatten sich zusammengefunden, um ein leerstehendes Haus in der Kornstraße wieder zu besetzen. Der Aufruf zu einem „Tag der offenen Tür“ schien viele zu mobilisieren, doch als die Polizei eintraf, waren die Besetzer bereits verschwunden. Im Inneren des Hauses fanden die Beamten „Besetzt“-Transparente und Schlafsäcke – ein deutliches Zeichen dafür, dass hier mehr geschehen sollte, als nur ein harmloser Besuch. Die Polizei sicherte das Gebäude bis zum Eintreffen des Eigentümers, der sich nicht lange auf sich warten ließ. Zuvor war das Haus bereits im Oktober besetzt worden, um auf den drängenden Mangel an Wohnraum aufmerksam zu machen. Diese Problematik ist in Bremen und darüber hinaus von großer Bedeutung, insbesondere nachdem bekannt wurde, dass der vorherige Eigentümer plant, das Haus zu verkaufen. Weitere Infos dazu gibt’s in einem ausführlichen Bericht auf buten un binnen.

Die Wohnraumsituation in Bremen ist angespannt. Ein Kellerbrand in einem achtstöckigen Wohnhaus nahe der Innenstadt vor einigen Jahren hat dazu geführt, dass 54 Bewohner*innen evakuiert werden mussten. Der Brand hielt die Feuerwehr zwar nicht lange auf Trab, aber die Folgen sind bis heute spürbar. Fünf Jahre nach dem Vorfall stehen die 68 Wohnungen in der Rembertistraße 76 noch immer leer. Verantwortlich für die verzögerten Sanierungsarbeiten ist die Lebensversicherungsgesellschaft Swisslife. Ursprünglich sollte die Reinigung der verrauchten Wohnungen nur einige Wochen in Anspruch nehmen. Doch aufgrund unvorhergesehener Schwierigkeiten – wie Asbest in den Versorgungsschächten und Lieferengpässen – hat sich alles in die Länge gezogen. Die Fertigstellung wurde immer wieder verschoben, zuletzt auf November 2023. Das Bremer Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ hat mittlerweile die Enteignung der Eigentümer gefordert, um endlich gegen die Missstände vorzugehen. Eine Petition zur Enteignung hat 167 Unterstützer und wird im Petitionsausschuss diskutiert.

Der Blick auf die Zahlen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut dem Zensus 2022 stehen in Bremen insgesamt 13.650 Wohnungen leer, davon 4.825 seit mehr als einem Jahr. Das sind alarmierende Zahlen, die auf ein ernstzunehmendes Problem hinweisen, das nicht nur Bremen, sondern ganz Deutschland betrifft. Bundesweit fehlen schätzungsweise 550.000 Wohnungen. Die Gründe dafür sind vielfältig: hohe Zuwanderungszahlen, unzureichende Bautätigkeit und ein Anstieg der Mieten, der in Großstädten fast 70 % zwischen 2010 und 2022 betrug. Mieten in Städten wie Köln oder München erreichen mittlerweile astronomische Höhen – 13,44 Euro bzw. 20,59 Euro pro Quadratmeter netto kalt. Die Verteilung des Leerstands ist ebenfalls ungerecht, in ländlichen Gebieten stehen viele Wohnungen leer, während in großen Städten wie Hamburg und Berlin jede dritte leerstehende Wohnung seit über einem Jahr ungenutzt bleibt.

Die rot-grün-rote Koalition hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dem Wohnraummangel entgegenzuwirken, wie das Wohnraumschutzgesetz und das Wohnungsaufsichtsgesetz. Doch die Erfolge sind bescheiden: Die Bundesregierung hatte geplant, jährlich 400.000 Neubauten zu genehmigen, tatsächlich waren es 2023 nur 294.400. Die Gründe sind vielfältig – gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren sind nur einige der Herausforderungen, denen sich die Bauwirtschaft gegenübersieht. Experten warnen, dass die sinkende Zahl an Sozialwohnungen seit den 1990er-Jahren eine der zentralen Ursachen für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen bleibt also spannend und zeigt, dass Handlungsbedarf besteht.