Heute ist der 27.05.2026, und in Speyer gibt es etwas ganz Besonderes zu feiern. Am 30. Mai um 20 Uhr wird im Alten Stadtsaal der Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ aus dem Jahr 1926 gezeigt. Dies ist nicht nur eine einfache Filmvorführung – es ist eine Hommage an den 100. Geburtstag des ersten abendfüllenden Animationsfilms! Und wenn das nicht schon aufregend genug wäre, wird die Veranstaltung von dem Blasorchester Diedesfeld musikalisch begleitet, das auch die Initiative zu diesem Event ergriffen hat.
Die Karten sind an der Abendkasse für 12 Euro erhältlich, wobei die Zahl der verfügbaren Plätze erst nach der Ermittlung des Platzbedarfs für das Orchester bekannt gegeben wird. „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ gilt als der älteste erhaltene abendfüllende Animationsfilm und ist ein Meilenstein der frühen Filmkunst. Regisseurin Lotte Reiniger, die zwischen 1923 und 1926 in Berlin an diesem Werk tüftelte, schöpfte ihre Inspiration aus „Tausendundeine Nacht“ und ließ uns mit auf eine Reise gehen, während der Prinz Achmed durch einen Zauberer auf einem fliegenden Pferd in ferne Länder gelangt, um die schöne Pari Banu zu retten.
Die Kunst der Silhouetten
Reiniger war eine wahre Pionierin der Animation. Ihre Technik, die sie selbst entwickelte, war inspiriert vom Scherenschnitt und beinhaltete Figuren aus schwarzem Papier oder dünnem Blei. Diese wurden dann Bild für Bild auf einer beleuchteten Glasplatte fotografiert – eine frühe Form der Stop-Motion-Animation! Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Geduld und Kreativität in diesem Prozess steckte. In einer Zeit, als Animation noch in den Kinderschuhen steckte, schuf sie ein Meisterwerk, das die Filmwelt revolutionierte.
Die gebürtige Berlinerin Charlotte Reiniger, die 1899 in einem bürgerlichen Milieu in Charlottenburg aufwuchs, war von der chinesischen Kunst des Silhouettenpuppenspiels fasziniert. Bereits in ihrer Jugend stellte sie ihr erstes Puppentheater für Familie und Freunde zusammen. Die Liebe zum Film entdeckte sie durch die Werke von Größen wie Georges Méliès und Paul Wegener. Schauspielunterricht am Deutschen Theater in Berlin bei Max Reinhardt half ihr, die Grundlagen für ihre spätere Karriere zu legen.
Ein Leben voller Herausforderungen und Kunst
Am 6. Dezember 1921 heiratete sie Carl Koch, und gemeinsam arbeiteten sie an verschiedenen Filmprojekten. „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ war ihr bekanntestes Werk, das sie nach 300.000 Einzelaufnahmen im Jahr 1926 fertigstellte. Die Produktion war nicht einfach; sie erhielt finanzielle Unterstützung von Louis Hagen. In den 1920er-Jahren lernten sie viele prominente Künstler und Schriftsteller kennen, was ihren kreativen Horizont erweiterte. Trotz der politischen Veränderungen in Deutschland nach 1933 und den damit verbundenen Schwierigkeiten blieb sie dem Animationsfilm treu. Ihre Reise führte sie schließlich nach London und später nach Paris, wo sie weiterhin mit Künstlern arbeitete.
Reiniger arbeitete unermüdlich an Kurzfilmen und Märchenverfilmungen, darunter „Aschenputtel“ (1922) und „Der gestiefelte Kater“ (1934). Während ihrer Zeit in der Berliner Schattenbühne produzierte sie zahlreiche Märchenfilme und erhielt 1954 den „Silbernen Delphin“ auf der Biennale in Venedig für ihre Arbeit an „Das tapfere Schneiderlein“.
Die Veranstaltung in Speyer wird ohne externe Fördermittel in Eigenverantwortung organisiert. Es ist eine großartige Gelegenheit, nicht nur einen klassischen Film zu sehen, sondern auch die Geschichte und das Erbe einer der ersten Animationspionierinnen zu würdigen. Wenn du also Zeit hast, schau doch vorbei und lass dich von der Magie der Animation verzaubern! Es könnte eine unvergessliche Reise in die Vergangenheit werden.
