Heute ist der 26.05.2026 und in Speyer stehen die Zeichen auf Geschichte. Am kommenden Mittwoch, dem 27. Mai, lädt das Stadtarchiv Speyer zu einer spannenden Vortragsreihe mit dem Titel „Mittwochabend im Stadtarchiv“ ein. Der Vortrag findet um 18.30 Uhr im Historischen Ratssaal des Rathauses in der Maximilianstraße 12 statt. Der besondere Gast ist Dorothea Klette, die mit ihrem persönlichen Erfahrungsbericht „Vertrieben aus Böhmen, geflüchtet aus der DDR, angekommen in Speyer“ sicherlich viele Zuhörer berühren wird.
Dorothea Klette hat eine bewegte Lebensgeschichte. Geboren in Schluckenau (heute Sluknov) in Nordböhmen, erlebte sie bereits im Kindesalter Vertreibungen – sowohl wilde als auch organisierte. Mit nur sechs Jahren musste sie ihre Heimat verlassen, ihre Familie lebte zeitweise in der DDR und flüchtete 1951 über West-Berlin nach Speyer. Ihre schulische Laufbahn schloss sie 1959 am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium in Speyer mit dem Abitur ab. Danach studierte sie Deutsch und Geschichte an den Universitäten Heidelberg und Mainz und arbeitete als Lehrerin in verschiedenen Gymnasien, unter anderem in Koblenz und Umgebung. Es ist beeindruckend, wie ihr Weg sie sogar nach Chile und Argentinien führte, bevor sie 1996 nach Speyer zurückkehrte, wo sie bis heute lebt.
Ein Einblick in die Geschichte
Der Eintritt zu Klette’s Vortrag ist frei, und eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich – ein tolles Angebot für Geschichtsinteressierte und all jene, die sich für persönliche Schicksale interessieren. Die Veranstaltungsreihe hat das klare Ziel, Einblicke in die Geschichte und Kultur zu geben und das Bewusstsein für die vielfältigen Erfahrungen von Menschen zu schärfen, die unter Flucht und Vertreibung gelitten haben.
Ein weiterer Termin dieser Reihe steht bereits fest: Am 29. August wird Matthias Folz die Speyerer Theaterszene in einem Stationentheater zur Stadtgeschichte präsentieren. Wer weiß, welche Geschichten uns noch erwarten?
Die Bedeutung von Zeitzeugenberichten
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Rolle von Zeitzeugenberichten zu betonen. Unter diesem Link findet man eine Vielzahl von Berichten über Flucht und Vertreibung aus ehemaligen deutschen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten im Osten. Das Archiv des Bundes der Vertriebenen (BdV) enthält Hunderte von Lebensgeschichten, Tagebüchern und Fluchtberichten, die von den Betroffenen selbst oder deren Nachfahren stammen. Diese Berichte sind nicht nur ein wichtiger Teil unserer Geschichte, sondern sie helfen auch, das Schicksal der Vertriebenen im nationalen Gedächtnis zu verankern.
Das Projekt zur Zugänglichmachung dieser Berichte ist von großer Bedeutung. Es ist ein Schritt, um die Erlebnisse der Betroffenen unverfälscht darzustellen und ihnen eine Stimme zu geben. Dabei wird die Methode der „oral history“ genutzt, um persönliche Erfahrungen und Erinnerungen lebendig zu halten. Die Berichte sind in verschiedene Bereiche gegliedert, um den Lesern einen besseren Zugang zu ermöglichen und sie in die Geschichten eintauchen zu lassen. Neben schriftlichen Berichten sind auch Videos mit Zeitzeugeninterviews auf YouTube verfügbar, was das Ganze noch greifbarer macht.
