Die Situation rund um den Schulneubau in Waldrach, im Kreis Trier-Saarburg, nimmt langsam dramatische Züge an. Einem Bericht zufolge wurden bereits 240 Container für die Ersatzschule aufgestellt, und der Innenausbau hat begonnen. Das ist ja schon mal ein kleiner Lichtblick, denn im Herbst sollen dort etwa 500 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte einziehen. Doch die Freude könnte schnell trüben, denn die Pläne für den Neubau der Grund- und Realschule plus sowie einer Sport- und Mehrzweckhalle sehen eine Kostensteigerung von 39 Millionen Euro (Stand 2022) auf über 51 Millionen Euro (2026) vor. Das sind über 30 Prozent mehr – ein Anstieg von 11,5 Millionen Euro, bedingt durch die allgemeinen Preissteigerungen im Baugewerbe.

Besorgnis äußerte Landrat Stefan Metzdorf (SPD). Er fragt sich, wie die zukünftige Finanzierbarkeit der Projekte aussehen soll. Besonders alarmierend ist der Anstieg der Kosten für die Gebäudetechnik, die um 41 Prozent steigen sollen. Zwar beträgt die Landesförderung für den Schulneubau etwa 6,5 Millionen Euro, doch bleibt diese unverändert, während die Baukosten weiter klettern. Kritische Stimmen wurden laut, die auf die langen Förderverfahren hinweisen, die zusätzlich zu den Kostensteigerungen führen.

Kritik und mögliche Lösungen

Die politische Debatte im Kreis wird hitzig. CDU-Fraktionschef Bernd Henter fordert eine Anpassung der Landesförderung an die Kostenentwicklungen. Zudem wird überlegt, Architektenhonorare bei Preissteigerungen zu deckeln. Landrat Metzdorf schlägt vor, eventuell ohne Förderung zu bauen, um Zeit zu sparen, denn die Planung für den Schulneubau läuft bereits seit 12 Jahren – und bisher gibt es noch keine Baustelle. Das ist schon irgendwie frustrierend, wenn man bedenkt, dass der Kreis Trier-Saarburg 2026 ein Haushaltsdefizit von über 35 Millionen Euro stemmen muss.

Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) weist darauf hin, dass die neue Kostenberechnung auf dem Index von 2025 basiert, was weitere Kostensteigerungen erwarten lässt. Die Einigkeit über die Notwendigkeit, die Förder- und Prüfverfahren beim Schulbau zu überdenken, ist jedoch bemerkenswert. Michael Holstein (FWG) fordert Kosteneinsparungen vor Ausschreibungen. In den nächsten Wochen sind Gespräche über die Kostenaufteilung mit der Verbandsgemeinde Ruwer geplant.

Schulplatzengpass im Kreis

Die Situation wird zusätzlich durch die Diskussion über die Kapazitäten in den Eingangsklassen der weiterführenden Schulen im Kreis Trier-Saarburg verschärft. Es gibt Engpässe an den Schulstandorten, insbesondere für die kommenden Schuljahre. Hier arbeiten die Kreisverwaltung und die Stadt Trier zusammen, um Lösungen zu finden. Denn die Verflechtung zwischen dem Kreis und der Stadt ist nicht zu unterschätzen – viele Schüler:innen pendeln zwischen beiden. Rund 900 Schüler:innen aus der Verbandsgemeinde Trier-Land besuchen Schulen in Trier, über 700 aus der Verbandsgemeinde Ruwer, während weniger als 20 aus der Verbandsgemeinde Hermeskeil kommen. Gleichzeitig besuchen etwa 250 Schüler:innen aus Trier Schulen im Kreis, vor allem in Schweich und Waldrach.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Kinderzahlen steigen, und damit der Bedarf an Schulplätzen. Das Problem betrifft nicht nur Gymnasien, sondern auch Realschulen plus im Kreis. Es wird dringend gefordert, Schulplätze in zumutbarer Entfernung zum Wohnort zu schaffen. Der Neubau einer Schule allein wird allerdings nicht ausreichen, um diesen Bedarf zu decken. Die Schulträger haben in den letzten zwei Jahren zusätzliche Schulplätze durch mehr Klassenzüge und mobile Klassen geschaffen. Ein Beispiel ist das Gymnasium Konz, das für 2024/25 sechs fünfte Klassen bildet, während die Orientierungsstufe in Schweich von neun auf zehn Eingangsklassen aufgestockt wird. Mobile Klassen werden in Schweich für das kommende Schuljahr errichtet, und die Planungen für die fehlende Sporthalle laufen ebenfalls.

Die Rolle der Bundesmittel

Um die Herausforderungen im Schulbau zu bewältigen, hat der Bund 100 Milliarden Euro über ein neu geschaffenes Infrastruktursondervermögen zur Verfügung gestellt. Ein Großteil dieser Mittel, mindestens 60 Prozent, soll an die Kommunen fließen. Die Verteilung erfolgt in verschiedenen Handlungsfeldern, darunter auch Bildung. Laut KfW-Kommunalpanel besteht im Schulbau ein Investitionsstau von 55 Milliarden Euro. Eine Qualitätsoffensive im Schulbau wird gefordert, damit Investitionen zukunftsgerichtet und nachhaltig sind. Diese Forderungen wurden an zentrale Ministerien gerichtet, um die Situation zu verbessern und die strukturellen Änderungen voranzubringen.

Insgesamt stehen die Verantwortlichen in der Region vor großen Herausforderungen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Diskussionen und Planungen weiterentwickeln werden. Eines ist sicher: Die Schaffung von Schulplätzen und die Verbesserung der baulichen Infrastruktur müssen dringend angepackt werden, damit alle Schüler:innen im Kreis Trier-Saarburg die bestmögliche Bildung erhalten können.