In Zweibrücken erinnert man sich an dunkle Kapitel der Geschichte. Jüngst wurde das Augenmerk auf die Person von Hans Woelbing gerichtet. Dieser war 1933 die treibende Kraft hinter der Bücherverbrennung in Dortmund. Wie es scheint, war das eine Art „Karriere-Start“ für ihn, denn nach dem Krieg wurde er ein angesehener Bürger in Zweibrücken. Irgendwie eine merkwürdige Wandlung, die viele Fragen aufwirft. Im Frühjahr 1933 brannten in ganz Deutschland die Bücher – ein erschreckendes Bild und ein verheerendes Kapitel, das bis heute nachhallt. Diese Bücherverbrennungen waren Teil der nationalsozialistischen Ideologie, die den „undeutschen Geist“ bekämpfen wollte.
Ein Projekt, das sich mit diesen verheerenden Ereignissen auseinandersetzt, trägt den Titel „Verbrannte Orte – Orte der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen“. Es listet zahlreiche betroffene Städte und Dörfer auf, darunter auch Pirmasens, Annweiler und Kaiserslautern. Interessanterweise spielt Zweibrücken eine Rolle in der laufenden Ausstellung der Volkshochschule Dortmund, die diesen Monat an die Bücherverbrennung in Dortmund erinnert. Ein Vortrag wird die Rolle von Woelbing näher beleuchten – und das nicht ganz ohne Emotionen, denn die Vergangenheit ist komplex und vielschichtig.
Ein Blick auf die Causa Woelbing
Der Vortrag und die Lesung in der vhs Dortmund am Donnerstag, den 28. Mai, um 19 Uhr, beschäftigen sich mit der „Causa Woelbing“, also der Geschichte des Lehrers Hans Woelbing. Der Mann organisierte die Bücherverbrennung in Dortmund, die am 30. Mai 1933 auf dem Hansaplatz stattfand. So wurde Woelbing nicht nur Lehrer am Bismarck-Realgymnasium (heute Max-Planck-Gymnasium), sondern auch zu einem Symbol für die Verdrängung in der Nachkriegszeit. Nach dem Krieg setzte er seine Laufbahn in Zweibrücken fort, engagierte sich in mehreren Parteien und übernahm die Leitung einer Bibliothek. Man fragt sich, wie viel von seiner Vergangenheit er wohl hinter sich gelassen hat.
Die Lesung von Dr. Birgit Ebbert aus ihrem Roman „Brandbücher“ thematisiert genau diese verdrängte NS-Vergangenheit und die historischen Verstrickungen. Das Publikum wird eingeladen, in die düstere Geschichte einzutauchen und sich mit den Abgründen der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Ausstellung „Verbrannte Orte – Bücherverbrennung 1933 in Deutschland“ ist noch bis zum 3. Juni in der VHS zu sehen. Der Eintritt zu Vortrag, Lesung und Ausstellung ist frei – eine gute Gelegenheit, um sich mit einem Teil der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
Historische Verstrickungen und gesellschaftliche Reflexion
Die Bücherverbrennungen von 1933 waren nicht nur ein einmaliges Ereignis, sondern Teil einer viel größeren Bewegung. Die Aktion „Wider den undeutschen Geist“ fand am 10. Mai 1933 in Berlin statt und wurde von der Reichsstudentenführung und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund organisiert. Das Ziel war klar: Bücher, die als „undeutsch“ galten, sollten aus dem öffentlichen Bewusstsein entfernt werden. Rundschreiben mit „Schwarzen Listen“ für verbotene Bücher kursierten und wurden von den Machthabern verbreitet. Doch die Frage bleibt: Wie viel von dieser Ideologie hat bis heute überlebt?
Die Aktion um die Bücherverbrennungen war nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine politische Metamorphose. Die Verknüpfungen zwischen Literatur, Politik und Gesellschaft sind komplex und machen es schwer, einfach nur zu verurteilen oder zu feiern. Es ist wichtig, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, um zu begreifen, wie leicht es ist, in die Falle von Ideologien zu tappen. Daran erinnert uns die Ausstellung in Dortmund – und nicht zuletzt die Geschichte von Hans Woelbing, die uns zeigt, wie nah Vergangenheit und Gegenwart manchmal beieinanderliegen.
