In der beschaulichen Stadt Zweibrücken, wo die Zeit manchmal stillzustehen scheint, gibt es derzeit einige aufgewühlte Gemüter. Die protestantische Herzog-Wolfgang-Stiftung, ansässig in der Johann-Schwebel-Straße, steht im Fokus eines Ermittlungsverfahrens. Die Zweibrücker Staatsanwaltschaft hat die Sache in die Hand genommen und ermittelt gegen mehrere Verantwortliche der Stiftung wegen des Verdachts auf Untreue. Ein brisantes Thema, das nicht nur die lokale Gemeinde, sondern auch die überregionale Öffentlichkeit bewegt. Staatsanwalt Felix Huth bestätigte auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass ein Anfangsverdacht besteht. Die Ermittlungen wurden bereits im September aufgenommen, nachdem die Evangelische Landeskirche Anzeige erstattet hatte. Ende Oktober wurde dann der Anfangsverdacht offiziell mitgeteilt.

Doch was genau verbirgt sich hinter der Herzog-Wolfgang-Stiftung? Gegründet im Jahr 1993, begann die Stiftung mit der Verfilmung ihres Schriftguts aus konservatorischen Gründen. Eine aufwendige Revision der Akten ging dieser Maßnahme voraus, gefolgt von einer Neuverzeichnung, die es ermöglicht, die Bestände in einer digitalen Datenbank zu recherchieren. Besonders hervorzuheben sind die Visitationsprotokolle von Kirchen und Schulen, die bis in die Reformationszeit zurückreichen. Diese Dokumente sind von unschätzbarem Wert für die Forschung und die Geschichte der Region.

Ein Blick in die Archive

Die Herzog-Wolfgang-Stiftung hat sich also nicht nur um die aktuelle Situation bemüht. Abt. 2, der die Regierungs- und Landessachen des 16. bis 19. Jahrhunderts umfasst, ist bereits komplett verfilmt. Auch der größte Teilbestand, Abt. 4 mit 6750 Faszikeln, ist abgeschlossen. Hier finden sich wichtige Ortsakten von A wie Althornbach bis Z wie Zweibrücken. Die Rechnungen in diesem Abt. geben tiefe Einblicke in die Verwaltung und den Güterbestand der Stiftung und sind somit eine wertvolle Grundlage für zahlreiche Forschungsprojekte. Wer sich für die historischen Bestände interessiert, kann die Findbücher der Abt. 2, 4 und 5 im Internet-Portal www.zentralarchiv-speyer.findbuch.net einsehen.

Für diejenigen, die das Archiv besuchen möchten, gibt es die Möglichkeit, Anfragen an zentralarchiv@evkirchepfalz.de zu richten oder sich telefonisch unter der Nummer 0 63 32 – 92 45 22 bei Frau Weingart anzumelden. Es ist faszinierend, wie viel Verwaltung und Geschichte in diesen Akten steckt, die oft im Schatten des Alltags stehen.

Kirche unter Druck

Die gegenwärtigen Ermittlungen werfen auch ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen die Kirche konfrontiert ist. Vor kurzem hat die Evangelische Kirche von Westfalen eine unabhängige Untersuchung zu einem mutmaßlichen Missbrauchsfall im Kirchenkreis Siegen in Auftrag gegeben. Diese Untersuchung wurde notwendig, nachdem die Theologin Annette Kurschus im November 2023 von ihren Ämtern zurückgetreten war. Der Verdacht richtet sich gegen einen ehemaligen Kirchenmitarbeiter, der in den 90er Jahren junge Männer sexuell bedrängt haben soll. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, da die Taten verjährt sind.

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Die westfälische Kirche erhofft sich von den Ergebnissen der Untersuchung Erkenntnisse über mögliche Verstöße gegen kirchliche Gesetze und Arbeitsrecht. Es ist ein heikles Thema, das in der gesamten evangelischen Gemeinschaft für Diskussionen sorgt. Unrecht sichtbar zu machen, auch wenn es nicht strafrechtlich verfolgt werden kann, ist ein Ziel, das viele Kirchenvertreter verfolgen.

Die Entwicklungen rund um die Herzog-Wolfgang-Stiftung und die aktuellen Ermittlungen zeigen, wie eng Geschichte, Kirche und Gesellschaft miteinander verwoben sind. In einer Zeit, in der Vertrauen in Institutionen auf die Probe gestellt wird, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Zweibrücken weiter entwickelt.