Abschied von der Kita St. Bonifatius in Wanzleben
In Wanzleben ist eine Ära zu Ende gegangen. Die katholische Kita St. Bonifatius wird zum 31. Juli 2026 geschlossen. Ein Abschied, der nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und das gesamte Team betrifft. Am vergangenen Wochenende fand ein emotionales Abschiedsfest statt, das für alle Beteiligten ein würdiger Rahmen war. Bei diesem Fest wurden Erinnerungen geteilt, Tränen vergossen und die lange Zeit des gemeinsamen Miteinanders gewürdigt. Die Leiterin der Kita, Franziska Hötzel, bedankte sich herzlich bei den Erzieherinnen für ihre jahrelange Hingabe und die wertvolle Arbeit mit den Kindern. Die Atmosphäre war geprägt von Dankbarkeit und ein wenig Wehmut.
Das Programm des Festes war vielfältig und lud die Gäste dazu ein, sich an verschiedenen Ständen und Attraktionen zu erfreuen. Themen über Tiere am heimischen Teich und das Leben auf verschiedenen Kontinenten wurden lebhaft präsentiert. Vor allem die Kinder hatten ihren Spaß: Sie konnten in einer Hüpfburg toben, sich schminken lassen und sogar Teddys verarzten – eine Aktion des DRK-Kreisverbands Wanzleben. Auch die Eltern kamen beim Zuckerwattestand auf ihre Kosten, betrieben vom Förderverein der Domersleber Grundschule. So wurde für jeden etwas geboten, und die Erfrischungen – Saft, Kaffee, Kuchen und Würstchen – sorgten dafür, dass niemand hungrig bleiben musste.
Hintergrund zur Schließung der Kita
Die Entscheidung zur Schließung der Kita kommt nicht aus heiterem Himmel. Ein Rückgang der Anmeldungen aufgrund des landesweiten Geburtenrückgangs war der Hauptgrund für diesen Schritt. In der zweiten Jahreshälfte 2025 zeichnete sich bereits ab, dass die Kinderzahlen sinken würden. Aktuell besuchen nur 47 Kinder die Kita, die für 67 Kinder ausgelegt ist. Für August 2026 liegen nur 34 Anmeldungen vor, was die Situation zusätzlich verschärft. Die Pfarrei hat verschiedene Maßnahmen geprüft, um die Kita zu unterstützen, darunter die Erweiterung der Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr und die Reduzierung der Wochenstunden für einige Mitarbeiterinnen. Doch Ende 2025 zeigte sich, dass diese Maßnahmen nicht ausreichten.
Der Pfarr-Administrator Daniel Rudloff äußerte Bedauern über die Entscheidung und betonte, dass die Pfarrei die Mitarbeitenden in der Übergangszeit unterstützen wird. Eltern wurden ebenfalls über die Schließung informiert, und es wird geprüft, ob andere Einrichtungen Kinder und Mitarbeitende übernehmen können. Im Bistum Magdeburg gibt es insgesamt 39 Kindertagesstätten, die von 22 Pfarreien sowie von katholischen Verbänden und Vereinen getragen werden. Über 2.000 Kinder werden von etwa 400 Mitarbeitenden betreut. Trotz der Herausforderungen, die die Schließung mit sich bringt, wird auch an einer Lösung gearbeitet: Das Bistum plant die Gründung eines zentralen Kita-Zweckverbands, um die Qualität der Kinderbetreuung zu verbessern.
Allgemeine Trends in der Kinderbetreuung
Die Schließung der Kita St. Bonifatius ist Teil eines größeren Trends in Deutschland. Der Bedarf an Kindertagesbetreuungsplätzen ist in den letzten Jahren stark gesunken. So hat beispielsweise die Dresdner Kita „Villa Mittendrin“ nach 78 Jahren zum Ende August geschlossen. Am 1. März 2025 waren in Deutschland mehr als vier Millionen Kinder in Kindertagesbetreuung – ein Rückgang um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist der erste Rückgang der Gesamtzahl der betreuten Kinder seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006.
Besonders auffällig ist der Rückgang der unter Dreijährigen in Kitas oder von Tageseltern, der auf 801.300 gesunken ist – ein Rückgang um 5,6 Prozent. Während die Zahl des Kita-Personals auf 795.700 Mitarbeiter stieg, klagen Eltern in vielen Regionen über fehlende Kitaplätze. Der Geburtenrückgang hat also weitreichende Folgen, die nicht nur einzelne Einrichtungen betreffen, sondern auch die Struktur der Kinderbetreuung in Deutschland insgesamt. In den östlichen Bundesländern sind die Betreuungsquoten höher als im Westen, was zu gravierenden Unterschieden in der Kinderbetreuung führt. Die GEW fordert daher ein bundesweites Kita-Qualitätsgesetz, um die Bedingungen für Kinder, Familien und Fachkräfte zu verbessern.
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