Im malerischen Harz, genauer gesagt in Tanne, wird eine Tradition hochgehalten, die die Herzen der Einheimischen seit über 100 Jahren erfreut: der Kuhball. Es handelt sich dabei um einen Weideauftrieb nach dem Winter, der nicht nur die Kühe, sondern auch die Menschen zusammenbringt. Das Rote Harzer Höhenvieh ist eine besonders seltene Rinderrasse, die in dieser Region eine lange Tradition hat. In Tanne wird sie seit Mitte der 1990er Jahre von Stefan Fischer gezüchtet. Dieser engagierte Landwirt hat die Leidenschaft für die Rinderrasse nicht nur von seinem Onkel, einem Pionier der Rotviehzucht, geerbt, sondern auch die Tradition des Kuhballs, die vor 100 Jahren ins Leben gerufen wurde, um den aufkommenden Tourismus zu fördern.
Ein besonders liebevoller Teil dieser Herde ist Lisa, eine Kuh, die von Hand aufgezogen wurde und nun das Herz von Stefan Fischer und seiner Familie erobert hat. Die Zucht des Roten Harzer Höhenviehs war vor 50 Jahren fast ausgestorben, doch engagierte Landwirte in Tanne und Wildemann haben sich dafür eingesetzt, die Rasse wiederzubeleben. Der Kuhball, der als Teil der „Heimat- und Kulturpflege“ angesehen wird, zieht nicht nur die Einheimischen an, sondern auch Touristen, die die Atmosphäre und die Tradition genießen möchten.
Ein Blick in die Geschichte
Das älteste Dokument, das den Kuhball bezeugt, ist ein Foto aus dem Jahr 1926, auf dem der Schriftzug „Auf dem Tanner Kuhball 1926“ zu lesen ist. Bürgermeister und Ortschronist Christian Resow hat dieses Foto sowie weitere Dokumente gesammelt, die Kühe und Kuhhirten in Tanne zeigen. Ursprünglich wurde der Weideauftrieb als Volksfest inszeniert, um den Tourismus zu fördern. Wirtshausbesitzer begannen, beim Kuhaustrieb Speisen und Getränke anzubieten – eine Praxis, die bis heute fortgeführt wird und dafür sorgt, dass die Gemeinschaft zusammenkommt.
Die Zucht des Roten Harzer Höhenviehs hat also nicht nur einen landwirtschaftlichen, sondern auch einen kulturellen Wert für die Region. Stefan Fischer, der seit langem am Kuhball teilnimmt, erinnert sich gern an die Zeit, als sein Onkel 1995 das erste gekörte Tier im Ort hatte. „Es ist eine Tradition, die uns verbindet“, sagt er. Und das ist auch spürbar, wenn die Kühe nach dem Winter wieder auf die Weide getrieben werden. Die Freude der Menschen ist unverkennbar, wenn die Tiere aus dem Stall ins Freie strömen.
Die Vielfalt der Rinderrassen
Doch nicht nur das Rote Harzer Höhenvieh sorgt für Aufsehen in der Welt der Rinderzucht. Die berühmten Wagyu-Rinder, die ursprünglich aus Japan stammen und auch als Kobe-Rind bekannt sind, sind eine ganz andere Geschichte. Diese Rasse ist bekannt für ihr außergewöhnliches Fleisch, das bis zu 50% höhere Anteile an ungesättigten Fettsäuren aufweist als andere Rinderrassen. Die besondere Fettmarmorierung sorgt für vollen Geschmack und intensives Aroma, was Wagyu zu einem der teuersten und exklusivsten Lebensmittel der Welt macht. Die Aufzucht ist aufwendig und dauert länger als bei anderen Rassen, was den Preis entsprechend in die Höhe treibt.
In Deutschland sind Wagyu-Rinder seit 2006 bekannt und verbreiten sich sowohl in Reinzucht als auch in Kreuzungszucht. Heute finden sich die größten Herden nicht nur in Japan, sondern auch in Australien, den USA und Kanada. Die Rinder wachsen bevorzugt in kleineren Herden auf und erhalten intensive Aufmerksamkeit, was ihnen zu ihrer besonderen Qualität verhilft.
Die Welt der Rinderrassen ist bunt und vielfältig, und während der Kuhball in Tanne eine lokale Tradition feiert, zeigt das Beispiel der Wagyu-Rinder, wie unterschiedlich die Ansätze in der Rinderzucht sein können. Beide repräsentieren ein Stück Kultur und Landwirtschaft, das in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist.