Heute ist der 20. Juni 2026 und im Harz wird ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Hochwasserschutzes aufgeschlagen. Der Spatenstich für ein neues Hochwasser-Rückhaltebecken am Oberlauf der Selke bei Straßberg wurde feierlich begangen. Ein Rückhaltebecken, das 32 Jahre nach den verheerenden Überflutungen von 1994 ins Leben gerufen wird, soll endlich für mehr Sicherheit und Schutz sorgen. Damals, im April 1994, kam es durch starke Regenfälle zu katastrophalen Überflutungen, besonders das kleine Flüsschen Selke war betroffen. Die Schäden wurden auf über 53 Millionen DM geschätzt – und das ist nur eine unvollständige Erfassung. Es war ein Weckruf für alle Anwohner und Entscheidungsträger!

Horst Schöne und Wulf Stubbe sind zwei Anwohner, die sich seit damals für einen besseren Hochwasserschutz einsetzen, allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen. Während Stubbe ein großes Rückhaltebecken nahe Meisdorf bevorzugte, setzte Schöne auf einen naturnahen Hochwasserschutz. Im November 2025 fiel die Entscheidung, die Vorzugsvariante ohne den Staudamm bei Meisdorf umzusetzen. Stattdessen werden jetzt Maßnahmen zwischen Meisdorf und Ermsleben ergriffen, ergänzt durch lokale Hochwasserschutzmaßnahmen. Es zeigt sich, dass nicht jeder Plan reibungslos umgesetzt werden kann – Verzögerungen durch Planungen, verschiedene Interessen und sogar Gesetzesänderungen waren die Regel.

Der Bau des Rückhaltebeckens

Das Rückhaltebecken in Straßberg wird als „grünes Rückhaltebecken“ konzipiert, das Wasser wird nur bei Hochwasser gestaut, was eine intelligente Lösung darstellt. Mit einem Rückhaltevolumen von 2,5 Millionen Kubikmetern und einer maximalen Einstaudauer von rund zehn Tagen wird es einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Anrainer am Oberlauf der Selke zu schützen. Der Damm selbst wird zu einem Drittel aus Beton und zu zwei Dritteln aus Erde gebaut, mit einer beeindruckenden Höhe von 19 Metern und einer Länge von 270 Metern. In den Damm wird ein Durchlass für die Selketalbahn integriert, der im Hochwasserfall verschlossen wird.

Die Baukosten für das Projekt belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro, und die Bauzeit beträgt voraussichtlich fünf Jahre. Es ist ein Schritt, der nicht nur lokal, sondern auch in einem größeren Kontext wichtig ist. Ein großer Teil der Siedlungsgebiete an der Selke ist hochwassergefährdet, weshalb umfassende Untersuchungen im Flussgebiet der Selke durchgeführt wurden. Diese Analysen, die mehrere Jahre zurückreichen, haben gezeigt, dass sowohl die Hochwasserentstehung als auch der Ablauf genau betrachtet werden müssen, um wirksame Maßnahmen zu entwickeln.

Die Herausforderungen der Vergangenheit

Die Hochwasserereignisse im Einzugsgebiet der Selke, häufig durch Schneeschmelze oder Starkregen bedingt, haben die Region immer wieder vor große Herausforderungen gestellt. Der Hochwasseraktionsplan Selke von 2002 sah bereits den Bau von zwei Rückhaltebecken vor, eines davon oberhalb von Straßberg. Während die aktuellen Maßnahmen nun endlich Gestalt annehmen, bleibt die Frage, ob sie ausreichen. Wulf Stubbe betont, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, um den Hochwasserschutz nachhaltig zu verbessern.

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Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft sieht den Bau von Rückhaltebecken als prioritär an. Doch es gibt auch Kritik an den Maßnahmen in den Ortslagen, die oft keine nachhaltige Wirkung zeigen und Entwicklungsmöglichkeiten einschränken. Die Selke selbst, die eine Länge von 64,4 km hat und vom Mittelharz bis zur Mündung in die Bode verläuft, ist in ihrem Unterlauf stark durch Begradigungen und Sohleintiefungen beeinträchtigt. Trotzdem sind die geplanten Maßnahmen ein Lichtblick in der langen Geschichte des Hochwasserschutzes in dieser Region.

Die Ausweisung von Hochwasserretentionsflächen, wie sie auch im Wasserhaushaltsgesetz gefordert wird, könnte langfristig helfen, die Situation zu verbessern. Natürlicher Hochwasserschutz, der zudem mit Gewässer- und Naturschutzzielen vereinbar ist, bietet Synergien, die nicht ignoriert werden dürfen. Hochwasserretentionsflächen können den Verlauf von Hochwasserwellen dämpfen, indem sie Wasser zwischenspeichern und zurückhalten. Eine Möglichkeit, die man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Ob die neuen Maßnahmen den erhofften Schutz bringen und die Lehren aus der Vergangenheit tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die Menschen im Harz hoffen, dass solch verheerende Ereignisse wie die von 1994 der Vergangenheit angehören.

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