Heute ist der 20.05.2026 und in Magdeburg sorgt eine Absage für Aufregung. Der Autor und Aktivist Arne Semsrott sollte eigentlich in der Stadtbibliothek aus seinem bald erscheinenden Buch „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ lesen. Doch nun wurde er plötzlich ausgeladen. Merkwürdig, oder? Semsrott vermutet, dass der Inhalt seines Buches, der als provokativ wahrgenommen wird, ausschlaggebend für diese Entscheidung ist. Besonders brisant ist der Zusammenhang, den er zwischen seiner Lesung und einer Anfrage der AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat sieht. Ist das der Druck, den er vermutet?
Als Semsrott von der Ausladung erfuhr, äußerte er Bedauern darüber, dass Bibliotheken als Orte für Debatten über kontroverse Inhalte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Er glaubt, dass die Stadtbibliothek möglicherweise Druck von der Stadtverwaltung erhalten hat, was die Sache nur noch komplizierter macht. Interessanterweise betont die Stadt, dass die Lesung nicht abgesagt, sondern lediglich in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt wurde. Ein bisschen wie ein „Schau mal, da ist doch kein Problem“ – aber ist das wirklich so?
Politischer Druck und Meinungsfreiheit
Die Situation wirft Fragen auf – vor allem zur Meinungs- und Kunstfreiheit. Die Fraktionsvorsitzenden der SPD, Kornelia Keune und Dr. Thomas Wiebe, äußern Bedenken und verlangen eine klare Stellungnahme der Oberbürgermeisterin. Politischer Druck, so sagen sie, sollte in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben. Und das zu Recht! Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, wie solche Entscheidungen zustande kommen.
Die Heinrich-Böll-Stiftung, die die Lesung organisiert, spricht ebenfalls von politischem Druck auf die Stadtbibliothek. Geschäftsführerin Rebecca Plassa verteidigt die Bibliothek und kritisiert den fehlenden Rückhalt der Verwaltung. Wenn kommunale Einrichtungen an die freiheitlich-demokratische Grundordnung gebunden sind, dann sollte das auch für die Meinungsfreiheit gelten. Ein Appell für eine offene demokratische Kultur in Magdeburg ist mehr als notwendig. Das Verdrängen kritischer Stimmen könnte das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen – und das wäre fatal.
Arne Semsrott selbst hat einen Antrag auf Auskunft nach dem Informationszugangsgesetz gestellt, der derzeit geprüft wird. Er lässt sich nicht einschüchtern und erwartet trotzdem ein volles Haus im Moritzhof, wenn er schließlich liest. Hochinteressant, wie sich die Wellen des Widerstands gegen autoritäre Strömungen auch in einer Stadt wie Magdeburg schlagen.
Es bleibt abzuwarten, wie die Stadtverwaltung auf die Kritik reagiert und ob Semsrotts Lesung wirklich in einem Rahmen stattfinden kann, der der Wichtigkeit des Themas gerecht wird. In einer Zeit, in der die Zivilgesellschaft gegen autoritäre Tendenzen ankämpft, sind solche Veranstaltungen wichtiger denn je.