Im Landkreis Mansfeld-Südharz sorgt ein umstrittenes Vorhaben für Aufregung. Die lokale Politik plant, im neuen Landesentwicklungsplan (LEP) einen Bereich ohne festen Schutz auszuweisen, um Probebohrungen und Gipsabbau zu erleichtern. Der Landrat hat dabei auf die angespannte wirtschaftliche Lage des Landkreises verwiesen. Schließlich besteht knapp zwei Drittel des Gebiets aus Naturschutzgebieten. Eine Bürgerinitiative, die sich bereits vor zwei Jahren gegen den Gipsabbau formierte, hat sich vehement gegen diese Pläne ausgesprochen. Sie sammelte Unterschriften, reichte Stellungnahmen ein und stoppte sogar Probebohrungen gerichtlich. Die Entscheidung, die den Abbau vorerst verhindert, hat die Initiative erleichtert, doch sie bleibt aktiv und setzt sich für nachhaltigen Tourismus entlang des Karstwanderwegs ein. Alternativen zu Gips wie Lehm, Stroh und Hanf sollen gefördert werden.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat die Entscheidung ebenfalls positiv aufgenommen. Ralf Meyer, der Landesvorsitzende des BUND Sachsen-Anhalt, betont, dass die einzigartige Südharzer Gipskarstlandschaft nach einer Zerstörung durch Abbau nicht wiederherstellbar sei. Ein weiteres drängendes Problem ist die Recyclingquote von Gips, die aktuell bei nur rund sechs Prozent liegt. Hier könnte ein Umdenken nötig sein, denn die Baustoffindustrie plant, Gipsabbau auch in Naturschutzgebieten voranzutreiben, obwohl das ungenutzte Recyclingpotential erheblich ist. Ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt, dass die Gipsindustrie versucht, einen Gipsmangel – bedingt durch den Kohleausstieg – durch Abbau in Naturräumen auszugleichen.
Umweltverbände und ihre Forderungen
Die Umweltverbände, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Grüne Liga, fordern von Minister Habeck eine verbindliche Rohstoffstrategie für Gips. Sie haben klare Forderungen: Mehr Recyclinggips verwenden, weitere Sekundärgipsquellen erschließen und einen Exportstopp für Naturgips durchsetzen. Die Diskussion um den Gipsabbau wird also immer lauter, und die Sorgen um die Zerstörung der einzigartigen Naturlandschaften im Südharz wachsen. Diese Gebiete sind nicht nur geologisch bedeutend, sondern auch reich an Biodiversität.
Die Gipskarstlandschaft im Südharz ist zudem ein potenzieller Kandidat für das UNESCO-Welterbe. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass Deutschland etwa 10 Millionen Tonnen Gips pro Jahr verbraucht und damit rund 30 Prozent des europäischen Gipsaufkommens ausmacht. Die Hälfte des abgebauten Naturgipses stammt aus der Region Südharz. Laut dem BUND könnten sich die Abbauzahlen im Zusammenhang mit dem geplanten Kohleausstieg bis 2038 verdoppeln, was die Sorgen um die Naturlandschaft weiter verstärkt. Friedhart Knolle vom BUND hält den Gipsabbau im Südharz für nicht notwendig und verweist auf gipsfreie Baustoffe.
Der Gipsfrieden und der Weg nach vorn
In Niedersachsen gibt es bereits Bestrebungen, den sogenannten „Gipsfrieden“ aufrechtzuerhalten: Bestehende Abbauflächen dürfen weiter bearbeitet werden, während neue Flächen nicht mehr zugelassen werden sollen. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer unterstützt diese Position, denn die Gipskarstlandschaft gilt als einzigartiger Lebensraum. Der BUND fordert einen Ausstieg aus dem Naturgipsabbau bis spätestens 2045, da Naturgips leicht ersetzt werden kann, die Gipskarstlandschaft jedoch unwiederbringlich verloren ginge.
Angesichts der Herausforderungen und der drängenden Fragen rund um den Gipsabbau im Südharz bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird. Ein Bündnis namens „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“ prüft bereits Möglichkeiten zur Erhöhung des Anteils von Recyclinggips. Es bleibt also spannend, wie die Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz der einmaligen Naturlandschaften gewahrt werden kann. Die Diskussion ist noch lange nicht zu Ende.
