In Stendal, einer Stadt in Sachsen-Anhalt, wird die DDR-Kunst immer mehr gewürdigt. Jüngst erhielt das beeindruckende Keramik-Bild „Formen des Lebens“ von Annedore Policek den offiziellen Denkmalstatus. Dieses Wandbild, das seit fast 50 Jahren im Flur eines ehemaligen KKW-Krankenhauses hängt, wird nun mehr Beachtung geschenkt. Christoph Schäfer, der Apotheker und Hausbesitzer, der das Wandbild entdeckt hat, plant, es „ins rechte Licht zu rücken“. Diese Initiative zeigt einen interessanten Paradigmenwechsel in der Wertschätzung der DDR-Kunst, die nach der politischen Wende lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde.

Bärbel Hornemann, die Chefin der Initiativgruppe „Kunst im Kontext“, sieht in der Anerkennung solcher Kunstwerke einen wichtigen Schritt. Sie betont, dass es entscheidend sei, die Geschichten hinter den Werken zu erzählen. Das Wandbild misst fünf mal drei Meter und wird als abstrakt und unpolitisch beschrieben. Policek, die Künstlerin, ist mittlerweile 91 Jahre alt und blickt auf eine unproblematische Beziehung zur Staatsführung während ihrer Schaffenszeit zurück. Es ist schon fast ironisch, dass viele ihrer Zeitgenossen Repressionen erlitten, während ihre Werke nun als wertvolle Zeitzeugen gelten.

DDR-Kunst im öffentlichen Raum

In Sachsen-Anhalt wurden bereits über 30 Werke der „Kunst im öffentlichen Raum“ identifiziert. Die Bedeutung dieser Kunstwerke wird zunehmend klar, vor allem, weil sie nicht nur die Vergangenheit widerspiegeln, sondern auch die Lebenswelt der Menschen verschönern sollten. Zwischen der Staatsgründung der DDR und der deutschen Wiedervereinigung entstanden zahlreiche Kunstwerke. Diese befanden sich oft in Neubaugebieten und wiederaufgebauten Stadtzentren. Bei staatlichen Neubauprojekten war ein Teil der Bausumme sogar für diese baubezogene Kunst vorgesehen.

Die Gestaltung der Werke variierte von konkret bis abstrakt, und die Themen reichten von propagandistisch bis zu naturalistisch. Einige Kunstwerke entstanden als einfache Ausschmückung, während andere durch umfangreiche Wettbewerbe mit namhaften Künstlern der DDR realisiert wurden. Im Grunde spiegeln sie sowohl die Einschränkungen als auch die Freiheiten der Künstler wider. Es gab ein differenziertes Spektrum künstlerischen Schaffens, das über die verordnete Staatskunst hinausging.

Wachsendes Interesse an DDR-Kunst

Luise Schier, Fachkoordinatorin vom Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie, berichtet von einem wachsendem öffentlichen Interesse an DDR-Kunst. In der Tat existiert eine hohe dreistellige Anzahl an DDR-Kunstwerken in Sachsen-Anhalt, und Fördermittel werden bereits zur Erfassung und Erforschung dieser Werke in Dessau genutzt. Dabei wurden 172 Objekte aus der Zeit von 1949 bis 1990 zusammengetragen – 102 davon stehen noch am ursprünglichen Standort.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die DDR-Kunst war nicht nur ein Produkt politischer Vorgaben, sondern auch das Ergebnis künstlerischer Kreativität in einem schwierigen Umfeld. Ab 1945 beeinflussten KPD-Funktionäre unter Walter Ulbricht die Kunstpolitik in der DDR. Diese Funktionäre kehrten aus dem sowjetischen Exil zurück und sorgten dafür, dass die Kunst in den Dienst der Ideologie gestellt wurde. Dennoch gab es immer wieder Künstler, die sich gegen diese Bevormundung wandten, was zu Konflikten und Repressionen führte. Trotz dieser Herausforderungen blieben viele Künstler ihrer modernen Tradition treu und schufen Werke, die die Realität der Menschen widerspiegelten.

Das Wandbild „Formen des Lebens“ ist also nicht nur ein einfaches Kunstwerk, sondern ein Symbol für die Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Kultur der DDR. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Wertschätzung solcher Kunstwerke in den kommenden Jahren weiterentwickelt.