In Chemnitz tut sich was! Unter dem Motto „Verkehrswende jetzt“ plant eine Fahrrad-Demo, die es in sich hat. Organisiert von einem 35-jährigen Mathematiker, der anonym bleiben möchte, soll die Aktion dazu dienen, die A72 vorübergehend lahmzulegen. Der Startschuss fällt am Karl-Marx-Monument, und die Radfahrer werden über die Limbacher Straße nach Chemnitz-Rottluff fahren. Das Ziel? Auf die A72 auffahren und bis zur Abfahrt Chemnitz Süd radeln. Für den Autoverkehr müsste die Autobahn während der Aktion gesperrt werden. Allerdings steht noch die Genehmigung der Behörden aus, und weitere Gespräche mit der Polizei sind geplant. Wer weiß, ob die Behörden die Luft für solch eine Aktion wirklich freigeben werden? Mehr dazu hier.
Aber nicht nur in Chemnitz, auch anderswo in Deutschland wird für eine Verkehrswende gekämpft. Am 25. Oktober fand eine Fahrraddemo in Dortmund statt, an der 47 Teilnehmer teilnahmen. Die Route führte von der Kampstraße über den Wall bis zur B1 und zurück. Während die Wolken vorher noch drohten, blieb es während der Demo trocken. Auf der Karte bildete die Strecke die Zahl 9 – symbolisch für die Forderung nach einem dauerhaften 9-Euro-Ticket, das auch die Mitnahme von Fahrrädern ermöglicht. Redner unterstrichen die Notwendigkeit einer echten Verkehrswende, um die Klimaziele zu erreichen. Immerhin fließen jährlich rund 20 Milliarden Euro in klimaschädliche Subventionen in Deutschland. Diese Subventionen kosten den Staat mehr als die Finanzierung des Deutschlandtickets. Ein Umdenken ist also gefragt!
Engagement für klimafreundliche Mobilität
Die Dortmunder Fridays for Future haben beim Protest betont, dass Mobilität als Lösung verstanden werden sollte. Die Verkehrswende wird nicht als Luxusprojekt betrachtet, sondern als dringende Notwendigkeit. Trotz der relativ geringen Teilnehmerzahl bleibt die Botschaft klar: Es geht um den Einsatz für gerechte und klimafreundliche Mobilität. In einem Land, in dem der Verkehrssektor für rund ein Fünftel der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, ist es höchste Zeit, etwas zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die CO2-Emissionen stiegen 2022 wieder leicht auf 148 Millionen Tonnen, was das Jahresziel des Klimaschutzgesetzes um 9 Millionen Tonnen überstieg.
Die Verkehrswende ist also nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, muss ein Rückgang auf 85 Millionen Tonnen CO2 erfolgen – das wäre fast eine Halbierung innerhalb eines Jahrzehnts. Der motorisierte Individualverkehr macht 75 % der Personenkilometer aus, und der Straßenverkehr trägt zu 96 % der Treibhausgasemissionen im Verkehr bei. Da ist klar: Ein Umdenken und eine tiefgreifende Transformation der Mobilitätsbranche sind unumgänglich.
Umso schöner ist es, dass sich immer mehr Menschen aktiv für eine Veränderung einsetzen. Die Strategien zur Verkehrswende reichen von Verkehrsvermeidung über Verkehrsverlagerung bis hin zu Effizienzsteigerung. Der Bundesverkehrswegeplan sieht für Straßenbau 133 Milliarden Euro vor, für den Schienenbau 112 Milliarden Euro. Es gibt also Gelder – jetzt müssen sie nur sinnvoll eingesetzt werden. Währenddessen setzen die Organisatoren der Fahrrad-Demo in Chemnitz ein Zeichen. Wer weiß, vielleicht inspiriert deren Mut auch andere Städte und Regionen, ähnliche Aktionen zu starten.
