Heute ist der 10.05.2026, und wir werfen einen Blick auf das Leben von Harald Kirschner, einem Fotografen, der seit 1981 in einer Maisonette-Wohnung im 15. und 16. Stock eines Punkthochhauses in Grünau, Leipzig, wohnt. Diese Wohnung, eine stattliche Fläche von 130 Quadratmetern, wurde dem Ehepaar Kirschner über den Bund Bildender Künstler zugeteilt, als ihr zweites Kind unterwegs war. Ein echter Glücksgriff, könnte man sagen, auch wenn die Wohnung damals 200 Ostmark kostete und die Wartezeit auf den Antrag vier Jahre betrug. Ja, die bürokratischen Mühlen mahlen langsam!

Zu Beginn waren die Kirschners etwas enttäuscht über die Lage in Grünau. Man kann sich gut vorstellen, wie sie befürchteten, vom kulturellen Leben der Stadt abgeschnitten zu sein. Doch Harald, geboren 1944 in Reichenberg (heute Liberec), hat das Beste aus der Situation gemacht. Im Obergeschoss seiner Wohnung richtete er sich eine Dunkelkammer und einen Arbeitsraum ein, in dem er die Abzüge und Negative aus 50 Jahren seiner fotografischen Laufbahn aufbewahrt. Die Leidenschaft für die sozialdokumentarische Fotografie ist in jedem seiner Bilder spürbar, und er thematisiert gesellschaftliche Themen, die oft unter dem Radar fliegen.

Ein Leben im Wandel

Als er nach Grünau zog, begann Kirschner sofort, das Leben in seinem neuen Viertel mit seiner Kamera festzuhalten. Die frühen Aufnahmen zeigen ein ganz anderes Grünau, das damals den Beinamen „Schlammhausen“ trug – Gummistiefel und Baustellen prägten das Bild. Er war sogar zeitweilig Leiter der Hausgemeinschaft und kümmerte sich um die Organisation von Kinderfesten sowie die Pflege der Außenanlagen. Es ist beeindruckend, wie sehr er sich für seine Nachbarschaft engagierte!

Besonders in den letzten Jahren hat Kirschner die Veränderungen in seinem Viertel dokumentiert. Nach dem Mauerfall war das Leben in Grünau einem ständigen Wandel unterzogen. Seine jüngste Bilderstrecke zeigt Wohnungen in einem kurz vor dem Abriss stehenden Block, der als „Eiger Nordwand“ bekannt ist. Ein Ort mit Geschichte, der bald der Vergangenheit angehören wird. Kirschner vermisst das Miteinander in den Hausgemeinschaften und schätzt besonders den Kulkwitzer See in der Nähe, den er als das schönste Wasser in Sachsen bezeichnet. Man kann förmlich spüren, wie wichtig ihm diese Erinnerungen und das Gemeinschaftsgefühl sind.

Ein Blick in die Zukunft

Die Fotografie ist für Harald Kirschner nicht nur ein Beruf, sondern ein Lebensinhalt, eine Art, sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Er hat es geschafft, die Veränderungen in seiner Umgebung festzuhalten und gleichzeitig ein Stück seiner eigenen Geschichte zu erzählen. Man fragt sich, wie viele solcher Geschichten es noch in Leipzig gibt, verborgen zwischen den Mauern der alten Gebäude und den Menschen, die darin leben.

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Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass Kirschner weiterhin als Chronist seines Viertels aktiv bleibt und uns mit seinen Bildern die Augen öffnet für das, was um uns herum geschieht. Es ist ein Erinnern an die Vergangenheit, das uns auch lehrt, die Gegenwart zu schätzen. Und so bleibt der Blick auf Grünau spannend – ein Ort, der durch Menschen wie Harald Kirschner lebendig wird. (MDR)