Die oft übersehenen Herausforderungen von Angehörigen suchtkranker Menschen
Heute ist der 26.06.2026 und wir werfen einen Blick auf die oft übersehenen Herausforderungen, denen Angehörige von Suchtkranken ausgesetzt sind. In Schleswig-Holstein, wo die Suchtproblematik spürbar ist, haben viele Menschen, die mit dieser Situation leben, das Gefühl, im Hintergrund zu stehen. Während die Suchtkranken oft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Fachleuten sind, leiden die Angehörigen still und heimlich. Sie sind gefangen in einem emotionalen Strudel, der sie an den Rand ihrer eigenen Existenz drängt.
Rina Schmeller, eine Autorin aus Lübeck, hat ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Roman „Co“ verarbeitet. Der Titel steht für „co-abhängig“, und beschreibt genau diesen Zustand, in dem man in der Sucht eines geliebten Menschen gefangen ist. Diese Form der Abhängigkeit kann zu gravierenden Veränderungen im Leben der Angehörigen führen. Sie erleben nicht nur Sorgen und finanzielle Probleme, sondern sehen sich auch mit Unberechenbarkeit und emotionalen Ausbrüchen konfrontiert. Rina beschreibt in ihrem Buch gewalttätige Ausbrüche ihres Ex-Partners und die Schwierigkeiten, sich von ihm zu trennen. Es ist ein aufrüttelndes Zeugnis der inneren Kämpfe und der Angst, die viele Angehörige empfinden.
Hilfe und Unterstützung
Dr. Gallus Bischof, ein Suchttherapeut am UKSH, erklärt, dass Angehörige häufig unbewusst die Sucht unterstützen, um den alltäglichen Stress zu vermeiden. Nur etwa 1% der Angehörigen sucht aktiv Hilfe – oft aus Unwissenheit oder Scham. Viele fühlen sich verantwortlich für das Verhalten ihrer Liebsten und haben Angst, den Kontakt abzubrechen. Das führt nicht nur zu einer emotionalen Isolation, sondern kann auch die eigene Gesundheit gefährden. Angehörige können selbst krank werden, sich sozial isolieren und Probleme im Job oder Freundeskreis bekommen.
Die Situation ist ernst, und es fehlt an spezialisierten Beratungsangeboten für Angehörige. Gesprächsgruppen sind rar, während die Nachfrage nach Hilfe steigt. Es gibt jedoch verschiedene Hilfsangebote, wie Hotlines und Online-Beratung. Das Blaue Kreuz gibt wichtige Empfehlungen: Angehörige sollten nicht die Schuld bei sich selbst suchen, Hilfe suchen, über das Problem mit vertrauten Personen sprechen und auch ihren eigenen Interessen nachgehen. Sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen kann eine wertvolle Unterstützung bieten.
Die Realität der Angehörigen
Eine Studie des „Addiction and Family International Network“ belegt, dass 5% der Befragten von Suchtproblemen in der Familie berichten und ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben. Dorothee Johannsen, eine Suchtberaterin, betont die Notwendigkeit, dass Angehörige lernen, dem Suchtkranken keine Verantwortung abzunehmen. Gespräche mit Gott können für manche eine zusätzliche Unterstützung darstellen. Rina Schmeller fand durch Suchtberatung heraus, dass ihre Bindung an ihren Partner aus Liebe und einem Bedürfnis nach Halt resultierte. Sie hebt hervor, wie wichtig es ist, sich selbst wieder wahrzunehmen und die eigene Identität zu finden. Das ist ein zentraler Punkt, den viele Angehörige oft aus den Augen verlieren.
Die Herausforderungen, denen Angehörige gegenüberstehen, sind vielschichtig und oft unsichtbar. Es ist unerlässlich, dass diese Stimmen gehört werden, denn sie sind es, die einen tiefen Einblick in die Schattenseiten der Sucht geben können. In Schleswig-Holstein, wo der Bedarf an Therapieplätzen für jugendliche Suchtkranke höher ist als das Angebot, bleibt die Hoffnung, dass mehr Aufmerksamkeit auf die Angehörigen gerichtet wird. Vielleicht wird der Dialog über ihre Bedürfnisse und Anforderungen in Zukunft lauter und klarer.
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