In Schleswig-Holstein stehen Lehrkräften stolze 35.000 digitale Endgeräte zur Verfügung. Doch, und das ist die Überraschung, nur 31.120 dieser Geräte wurden tatsächlich eingeschaltet. Da fragt man sich natürlich, was mit den übrigen 3.780 Notebooks und Tablets passiert ist, die ungenutzt in den Schulen auf ihren Einsatz warten. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die Menge, die eigentlich als Reserve vorgesehen war. Es scheint, als hätte die digitale Ausstattung der Schulen nicht den gewünschten Effekt erzielt.
Im vergangenen Jahr waren nur etwa 24.021 Geräte im Einsatz, und das ist schon eine ernüchternde Bilanz. Besonders auffällig: 10.879 der ausgelieferten Endgeräte wurden im gesamten letzten Jahr kein einziges Mal genutzt. Die Anschaffungskosten für diese Geräte beliefen sich auf mehr als 6,7 Millionen Euro, und über die geplante Betriebsdauer von fünf Jahren summieren sich die Kosten auf knapp 10 Millionen Euro. Das hat auch Martin Habersaat, der bildungspolitische Sprecher der SPD, auf den Plan gerufen. Er fordert eine Klärung des Bedarfs an Geräten und kritisiert die bloße Beratung der Schulen vor Neuanschaffungen als unzureichend. Man könnte ihm fast recht geben.
Unnötige Steuerverschwendung?
Die Kritik an der Landesregierung wird lauter. Eine Kleine Anfrage der SPD im Landtag bringt ans Licht, dass die vom Land angeschafften Laptops und Tablets für Lehrkräfte in großen Mengen ungenutzt bleiben. Martin Habersaat hat dazu klare Worte gefunden: Es ist Steuerverschwendung und nicht nachvollziehbar, dass die Geräte nicht zum Einsatz kommen. Die SPD fordert eine Prüfung, ob in diesem Jahr neue Geräte benötigt werden, da diese alle fünf Jahre ausgetauscht werden sollen. Der Bund der Steuerzahler ist ebenfalls nicht amused und verlangt ein einheitliches Digitalisierungskonzept für Schulen. Geschäftsführer Rainer Kersten hat recht – ohne ein leistungsfähiges WLAN-System und passende Endgeräte kann die digitale Transformation nicht gelingen.
Witzig ist, dass viele der Tablets, die vom Land bereitgestellt wurden, nicht einmal die Seiten laden können, die für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte wichtig sind. Es ist, als würde man ein Auto kaufen und dann die Straße sperren. Das Bildungsministerium erklärt, dass die Geräte für den digitalen Unterricht angeschafft wurden, aber die Realität sieht anders aus. Einige Laptops sind als Reserve für neue oder vertretende Lehrkräfte gedacht, was die Situation nicht wirklich verbessert. Staatssekretär Tobias von der Heide hat zwar eingeräumt, dass es Geräte gibt, die noch nicht im Einsatz sind, doch das hilft den Lehrkräften vor Ort nicht weiter.
Ein Lichtblick am Horizont?
Die gute Nachricht: Bund und Länder haben den Digitalpakt 2.0 beschlossen. Hierbei handelt es sich um eine Investition von insgesamt 5 Milliarden Euro bis 2030, die sowohl vom Bund als auch von den Ländern getragen wird. Der Bund stellt die Mittel größtenteils aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ bereit. Ziel ist es, die Gleichwertigkeit der Bildungschancen in Deutschland durch digitale Bildung zu stärken. Ein zentrales Anliegen ist die Fortbildung der Lehrkräfte für die digitale Transformation im Unterricht.
Der neue Digitalpakt knüpft an den vorherigen Digitalpakt Schule an, der zwischen 2019 und 2024 lief und fast 30.000 Schulen erreicht hat. Ein großer Teil der bisherigen Mittel wurde bereits gebunden, und man sieht, dass es einen deutlichen Modernisierungsschub im Unterricht gibt. Das klingt doch alles ganz vielversprechend, auch wenn die Umsetzung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Schließlich ist der offizielle Zeitraum des Digitalpakt 2.0 von 2026 bis 2030, mit einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn am 1. Januar 2025.
Bleibt zu hoffen, dass die Schulen in Schleswig-Holstein und darüber hinaus die Möglichkeiten, die sich bieten, auch tatsächlich nutzen. Denn eines ist klar: Die digitale Zukunft ist jetzt, und es wäre schade, wenn die Geräte weiterhin ungenutzt in den Ecken der Klassenräume verstauben. Vielleicht wird ja bald alles anders – wir dürfen gespannt bleiben!