THW Kiel in der Kritik: Teilnahme am Wenzel Nordic Cup und die Debatte um Meeresschutz
Am 9. Juli 2026 gibt es in Kiel eine spannende Diskussion über die anstehende Teilnahme des THW Kiel am „Wenzel Nordic Cup“ auf den Färöer-Inseln. Vom 13. bis 16. August plant der Handballverein, der mit vier Champions-League-Titeln zu den prominentesten Teams gehört, an diesem Vorbereitungsturnier teilzunehmen. Doch der Verein sieht sich mit heftiger Kritik konfrontiert, insbesondere von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD). Diese kritisiert die Teilnahme scharf, da auf den Färöer-Inseln während der jährlichen Treibjagd regelmäßig Grindwale, Weißseitendelfine und Große Tümmler getötet werden.
Die GRD, unter der Führung von Sigmar Solbach, bekannt aus der TV-Serie „Dr. Stefan Frank“, fordert den THW Kiel auf, seine Vorbildfunktion zu erkennen und die Teilnahme zu überdenken. Solbach hebt hervor, dass die Teilnahme des Vereins internationale Aufmerksamkeit auf die Färöer-Inseln lenkt, wo diese brutalen Tötungen stattfinden. In den letzten zehn Jahren wurden dort schätzungsweise 10.000 Meeressäuger abgeschlachtet. Allein im Jahr 2023 sind bereits 831 Meeressäuger den grausamen Jagdmethoden zum Opfer gefallen. Ein besonders schockierendes Beispiel ist die Treibjagd am 27. Mai 2023, bei der in Tórshavn 402 Grindwale und vier Große Tümmler getötet wurden – das ist die größte Treibjagd in der jüngeren Geschichte der Hauptstadt.
Kritik und Reaktionen
Die GRD sieht in der Teilnahme des THW Kiel einen Widerspruch zu dessen Bekenntnis für gesellschaftliche Verantwortung und den Schutz der Meere. Geschäftsführer Viktor Szilágyi hat sich auf der Homepage des Vereins klar für den Meeresschutz ausgesprochen. Doch die Geschäftsführerin des THW Kiel, Anja Niemann, bleibt gelassen. Sie betont, dass die Teilnahme sportlich motiviert sei und keine Unterstützung für die gesellschaftlichen oder politischen Praktiken des Gastgeberlandes darstelle. Niemann erkennt jedoch das Engagement der GRD an und bietet Unterstützung durch das Projekt „För de Küste“ an. Es scheint, als sei ein sachlicher Dialog zwischen dem Verein und der GRD nicht zustande gekommen, was die Situation weiter kompliziert.
Die Jagdpraxis der „Grinds“ oder „Grindadráps“ sorgt weltweit für Empörung. Dabei werden große Gruppen von Meeressäugern, einschließlich trächtiger Weibchen und Kälber, auf brutale Weise getötet. Das Fleisch der getöteten Tiere wird in der Regel kostenlos an die Bevölkerung verteilt, was die Diskussion über die kulturellen und wirtschaftlichen Aspekte der Jagd entfacht. AIDA Cruises hat bereits 2015 aufgrund von Bedenken zum Arten- und Meeresschutz entschieden, die Färöer-Inseln nicht mehr anzulaufen. Das wirft die Frage auf, inwiefern wirtschaftliche Interessen hinter Umweltverantwortung zurückgestellt werden sollten.
Die GRD hat auch eine Stellungnahme vom THW Kiel gefordert, um die Vereinbarkeit des Meeresschutzanspruchs mit der Turnierteilnahme zu klären. Wie sich die Situation entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Diskussion über Sport und ethische Verantwortung wird den THW Kiel sicherlich noch länger begleiten – und es bleibt spannend zu sehen, wie der Verein auf die anhaltende Kritik reagiert.
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