In der Hansestadt Lübeck hat sich seit Februar ein spannendes Projekt zur erneuerbaren Energieversorgung in Form eines Solarthermieparks entwickelt. Die innovative Anlage, die am vergangenen Freitag von Dr. Jens Meier, dem CEO der Stadtwerke Lübeck, und Björn Ruschepaul, dem Leiter der Fernwärme, vorgestellt wurde, deckt bereits rund 11,7 Prozent der Wärmeversorgung im Stadtteil Moisling ab. Mit 788 großformatigen Sonnenkollektoren, die jeweils 6 Meter lang und 2,5 Meter hoch sind, erzielt der Solarthermiepark eine thermische Leistung von 8 MW/Peak und liefert jährlich bis zu 3,7 GWh Wärme. Dies reicht aus, um etwa 350 Wohneinheiten von der Wärmeversorgung zu profitieren.
Besonders an sonnigen Tagen übernimmt der Solarthermiepark sogar die komplette Wärmeversorgung. Ein beeindruckender Wärmespeicher mit einem Volumen von 3000 Kubikmetern ermöglicht die effiziente Nutzung der tagsüber gewonnenen Sonnenwärme. Die Gesamtinvestition in das Projekt betrug 10 Millionen Euro, wobei dank Fördermitteln keine höheren Rechnungen für die Kunden anfallen. Bis 2030 wird eine Anforderung bestehen, dass 30 Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Energien stammen müssen, was die Relevanz solcher Projekte nur unterstreicht.
Ein weiterer Schritt in die Zukunft der Energieversorgung
Parallel zu Lübeck hat auch die Stadt Tübingen kürzlich einen bedeutenden Schritt in der Solarthermie unternommen. Am Freitagnachmittag wurde der Solarthermie-Park Au eingeweiht, der als die drittgrößte Solarthermie-Anlage in Deutschland gilt. Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von 23.000 m² und produziert jährlich rund sechs Millionen Kilowattstunden Wärme, was ausreicht, um etwa 400 Einfamilienhäuser mit Fernwärme zu versorgen. Oberbürgermeister Boris Palmer zeigte sich stolz auf das Projekt, das nicht nur umweltfreundlich ist, sondern auch Haushalte in der Altstadt von Tübingen unterstützt, wo der Platz für eigene Solarthermie-Paneele oft nicht ausreicht.
Die Baukosten für den Solarthermie-Park in Tübingen belaufen sich auf 15 Millionen Euro, wovon 5,7 Millionen Euro durch den Bund gefördert wurden. Die Anlage soll jährlich 880 Tonnen CO2 einsparen und ist Teil der Bestrebungen Tübingens, bis 2030 klimaneutral zu werden, während der Anteil erneuerbarer Energien im Fernwärmenetz auf über 50 Prozent steigen soll. Diese beiden Projekte sind Teil eines größeren Trends, der die Integration von Solarthermie in Fernwärmenetze vorantreibt.
Solarthermie als Schlüssel zur CO2-Reduktion
Solarthermieanlagen sind ein vielversprechender Ansatz zur Wärmeproduktion für Heizung und Trinkwasser, und ihre Integration in Fernwärmenetze kann die CO₂-Emissionen erheblich reduzieren – um bis zu 80 Prozent. Aktuelle Förderprogramme unterstützen Investitionen in diese Technologien und deren Integration in effiziente Wärmenetze. Im Jahr 2022 vermied Solarthermie in Deutschland etwa 2,6 Millionen Tonnen CO₂. Dennoch stammen derzeit nur 19 Prozent der Energie in Fernwärmenetzen aus erneuerbaren Quellen. Die Effizienz von Solarthermieanlagen ist zudem viermal höher als die von Photovoltaik und 30 bis 50 Mal höher als die von Biomasse.
Die Herausforderungen bei der Implementierung solcher Technologien sind sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Natur. Dennoch sind die Aussichten positiv: Prognosen deuten darauf hin, dass der Markt für Solarthermie bis 2029 jährlich um über 4,5 Prozent wachsen wird. In Deutschland werden bis 2025 rund 90 neue solarthermische Anlagen in Fernwärmenetzen erwartet. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Kombination von innovativer Technik und politischem Willen einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Verbesserung der Luftqualität leisten kann. Weitere Informationen zu den Projekten in Lübeck und Tübingen finden Sie in den Artikeln von HL-Live und SWR Aktuell.