Heute, am 28. Mai 2026, werfen die Geschehnisse rund um die Pleite des schwedischen Batterieherstellers Northvolt in Schleswig-Holstein einen langen Schatten. Der Landesrechnungshof hat der Landesregierung vorgeworfen, bei der Förderung des Unternehmens Fehler gemacht zu haben. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht das jedoch anders und verteidigt die Entscheidung, in Heide eine große Batteriefabrik anzusiedeln. „Mit dem damaligen Wissen hätte ich die gleiche Entscheidung wieder getroffen“, sagt er, obwohl die Informationslage als unvollständig bewertet wird.

Die Kritik des Rechnungshofs ist nicht zu überhören. Ein Sonderbericht bemängelt die wirtschaftliche Absicherung einer Wandelanleihe von 600 Millionen Euro, die Northvolt erhalten hat. Günther betont, dass die Ansiedlung einer klimaneutralen Batterieproduktion erhebliche Chancen für die Region biete. Im gleichen Atemzug räumt er ein, dass die Dokumentation unvollständig war und Verbesserungen notwendig sind. Die Verantwortung für die Entscheidung liege klar bei der Landesregierung, die unter großem Zeitdruck gehandelt habe.

Kritik und Konsequenzen

Die Reaktionen auf Günthers Auftritt sind zwiegespalten. SPD-Wirtschaftspolitiker Kianusch Stender und der frühere Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigen sich enttäuscht und kritisieren den Ministerpräsidenten für mangelnde Einsicht und Reue. Northvolt plante ursprünglich, in Heide rund 3000 Arbeitsplätze zu schaffen, doch nach der Insolvenz mussten Bund und Land für die Schulden einstehen und konnten nur noch 153 Millionen Euro im Rahmen der Übernahme durch das US-Unternehmen Lyten sichern. Auch der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) steht in der Schusslinie der Kritiker.

In der Zwischenzeit zeigt sich ein besorgniserregender Trend in Schleswig-Holstein: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist auf den höchsten Stand seit 2017 gestiegen. Mit 903 Fällen sind die Unternehmen in der Region laut dem NDR stark betroffen. Besonders die Stadt Flensburg muss mit 46 Insolvenzen einen dramatischen Anstieg hinnehmen, im Vorjahr waren es nur 19. Auch in den Kreisen Pinneberg und Stormarn ist die Lage angespannt, mit jeweils 100 Insolvenzen im vergangenen Jahr.

Ursachen und Herausforderungen

Die Gründe für diese Insolvenzen sind vielfältig. Gestiegene Energie- und Arbeitskosten, die Rückzahlung von Coronahilfen sowie die weltpolitische Lage – Konflikte, höhere Zölle und die Entwicklung von künstlicher Intelligenz – tragen zu dieser besorgniserregenden Situation bei. In den verschiedenen Branchen zeigt sich ein ähnliches Bild: Das Baugewerbe verzeichnet 163 Insolvenzen, im Groß- und Einzelhandel sind es 109, während die Gastronomie 83 Insolvenzen zählt. Insgesamt sind mindestens rund 6400 Arbeitnehmer betroffen.

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Im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2004, als es 1.027 und 1.516 Insolvenzen gab, ist die Zunahme der Unternehmensinsolvenzen seit 2010 alarmierend. Trotz eines großen Branchenmixes und der Tatsache, dass Schleswig-Holstein im Bundesvergleich besser aufgestellt ist, bleibt die Region hinter den Erwartungen zurück. Die Industrie- und Handelskammer sieht die kleinen und mittelgroßen Betriebe als wichtige Stütze, doch die aktuelle Entwicklung bereitet Sorgen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage weiter entwickeln wird und welche Maßnahmen die Landesregierung ergreifen kann, um zukünftigen Insolvenzen entgegenzuwirken.