Reerdigung: Eine nachhaltige Bestattungsalternative in Deutschland
Heute ist der 12.07.2026 und wir werfen einen Blick über die Grenze nach Schleswig-Holstein, wo am 18. Juni 2026 eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen wurde. Der Landtag hat die Reerdigung als neue Bestattungsform dauerhaft genehmigt. Dies ist nicht nur ein Schritt in die Zukunft, sondern auch ein Versuch, der Erdbestattung und Feuerbestattung eine nachhaltige Alternative entgegenzusetzen. Die Reerdigung, in der ein menschlicher Körper auf natürliche Weise zu Erde wird, könnte für viele eine interessante Option sein, vor allem, wenn wir die 144.069 Menschen im Jahr 2025 in Bayern bedenken, die auch irgendwann ihren letzten Weg antreten müssen.
Der Prozess selbst ist ziemlich faszinierend: Innerhalb von nur 40 Tagen wird der Körper in einem speziellen Kokon aus Stroh, Heu, Blumen und Aktivkohle bettet. Mikroorganismen übernehmen die Zersetzung und verwandeln den Körper in Erde, ohne dass zusätzliche Energie benötigt wird. Dies reduziert nicht nur das Risiko von „Wachsleichen“, sondern ist auch ein umweltfreundlicher Ansatz in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. In Schleswig-Holstein gab es bereits seit 2022 eine Pilotphase an zwei Standorten, Mölln und Kiel, begleitet von der Universität Leipzig, die die Qualität der Erde und die Beisetzungsstellen untersucht hat. Justiz- und Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) hat die Reerdigung als unbedenklich für Mensch und Umwelt erklärt.
Unterschiedliche Regelungen in Deutschland
Das Bestattungsrecht in Deutschland ist auf Landesebene geregelt. Daher gibt es keine einheitlichen Regeln für die Reerdigung. Während Schleswig-Holstein vorangeht, hat Bayern bereits im Jahr 2024 die Reerdigung abgelehnt. Die bayerischen Behörden begründeten dies mit möglichen Verstößen gegen die Bestattungspflicht und die Würde des Verstorbenen. Anbieter wie „Meine Erde“ bestätigen, dass die Beisetzung neuer Erde in Bayern bislang nicht möglich ist. Das bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention hat sich bisher nicht zu möglichen Regeländerungen geäußert.
Die Reerdigung ist jedoch nicht nur eine theoretische Idee. In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg können bereits neue Erden beigesetzt werden. Interessant ist, dass Friedhöfe ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses sind. Der innovative Friedhof Elmshorn zum Beispiel bietet naturnahe Reerdigungsgrabstellen, die pflegefrei sind und auf Lebenswiesen liegen. Diese Lebenswiesen sind naturbelassene Langgraswiesen, die eine einzigartige Beisetzungsform ermöglichen. Trauernde haben sogar die Möglichkeit, einen Erinnerungsbaum zu pflanzen, der später an einem Wunschgedenkort, wie im heimischen Garten, platziert werden kann.
Die Kosten und der gesellschaftliche Kontext
Allerdings ist die Reerdigung nicht ohne Kosten. Die Gesamtkosten liegen häufig zwischen 7.000 und 8.000 Euro, mit Grundkosten von etwa 2.800 bis 2.900 Euro. Das ist schon ein stolzer Preis, wenn man es mit klassischen Bestattungen vergleicht. Es gibt auch Kritikpunkte, wie die begrenzte wissenschaftliche Datenlage oder kulturelle Vorbehalte gegenüber neuen Bestattungsformen. Doch die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Die naturnahe Rückkehr in den Kreislauf der Natur und der Verzicht auf chemische Stoffe sind für viele ein triftiger Grund, diese Option in Betracht zu ziehen.
Die Reerdigung bleibt vorerst eine Ausnahme in Deutschland und ist nur in bestimmten Bundesländern zugelassen. Andere Länder, wie die USA, haben ähnliche Ansätze unter dem Begriff „Natural Organic Reduction“. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen nachhaltige Alternativen suchen, könnte die Reerdigung eine spannende Diskussion über den Umgang mit dem Tod und die Art und Weise, wie wir Abschied nehmen, anstoßen. Die Frage bleibt, ob und wann auch Bayern sich dieser Entwicklung anschließen wird.
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