Heute ist der 20.04.2026. In den letzten Jahren haben sich in Deutschland, speziell am Hamburger Flughafen, immer wieder kritische Stimmen zum Thema Abschiebungen erhoben. Ein aktueller Bericht der Abschiebebeobachterin des Diakonischen Werks, Merle Abel, beleuchtet die zahlreichen Mängel in der Praxis der Abschiebungen. Diese reichen von unzureichendem Umgang mit gesundheitlichen Problemen bis hin zu schockierenden Familientrennungen. Im Jahr 2022 wurden über den Hamburger Flughafen insgesamt 1.096 Menschen abgeschoben, darunter auch besonders vulnerable Personen.

Der Bericht zeigt auf, dass in 86 Fällen Gesprächsbedarf bestand, was auf die komplexen und oft tragischen Hintergründe der betroffenen Personen hinweist. So wurde beispielsweise eine 87-jährige Rollstuhlfahrerin ohne ihre Familie und nur in Hausschuhen nach Armenien abgeschoben. Auch eine junge Frau, die unter schweren Depressionen litt, wurde im Krankenhaus morgens von der Polizei geweckt und direkt zum Flughafen gebracht. Diese Fälle verdeutlichen, dass der Umgang mit schutzbedürftigen Menschen ein Maßstab für die gesellschaftlichen Werte wie Menschenwürde und Solidarität sein sollte.

Kritik an der Abschiebepraxis

Die Diakonie übt scharfe Kritik an der Organisation der Abschiebungen. Laut Abel wurden Zwangsmittel wie Hand- und Fußfesseln auch bei psychisch belasteten Personen eingesetzt, was die menschenrechtlichen Standards in Frage stellt. Besonders alarmierend sind die Trennungen von Familien, die während der Abschiebungen vollzogen werden. Ein Beispiel ist eine junge Familie, bei der die Mutter und die Tochter nachts abgeholt wurden, während der Vater und der schwer kranke Sohn in Deutschland zurückblieben. Solche Situationen führen zu enormen psychischen Belastungen, insbesondere für die Kinder.

Der Jahresbericht der Diakonie, der die Abschiebungen am Hamburger Flughafen dokumentiert, hebt hervor, dass im Berichtszeitraum vom 01.03.2025 bis 28.02.2026 insgesamt 142 Einzelmaßnahmen und 16 Sammelcharter beobachtet wurden. Von diesen Fällen wurden 86 zur Besprechung im Flughafenforum gegeben, was zeigt, dass die Problematik ernst genommen wird, jedoch nach wie vor Handlungsbedarf besteht.

Gesamtzahlen und Trends in Deutschland

Ein Blick auf die Gesamtlage in Deutschland verdeutlicht, dass Abschiebungen ein andauerndes Thema sind. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 20.084 Menschen aus Deutschland abgeschoben, was einem Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren entspricht. Die meisten Abgeschobenen stammten aus Ländern wie Georgien, der Türkei, Afghanistan und Nordmazedonien. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Abschiebungen von Minderjährigen, die in 2024 auf 3.687 gestiegen sind.

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Abschiebungen werden von den Bundesländern in Zusammenarbeit mit der Landespolizei und der Bundespolizei durchgeführt. Es gibt jedoch nur an sechs Flughäfen in Deutschland Abschiebebeobachter, die in kirchlicher Trägerschaft arbeiten, so auch am Hamburger Flughafen. Diese Beobachtung ist von zentraler Bedeutung, um humanitäre Mindeststandards zu wahren und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zu überprüfen.

Insgesamt zeigt der Bericht der Diakonie und die Analyse der Abschiebungen in Deutschland, dass dringender Handlungsbedarf besteht, insbesondere im Umgang mit vulnerablen Personengruppen. Der zunehmende Abschiebungsdruck sollte nicht die Menschen hinter den Zahlen ignorieren, wie Haiko Hörnicke von der Diakonie betont. Es bleibt zu hoffen, dass die gesellschaftliche Diskussion um dieses Thema zu einer humaneren und gerechteren Praxis führt.