In Schleswig-Holstein sorgt eine aktuelle Umfrage des Marburger Bundes für Aufregung. Über 350 angestellte Ärztinnen und Ärzte haben ihre Erfahrungen mit Machtmissbrauch am Arbeitsplatz geteilt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Befragten, genau 57%, berichteten in den letzten zwölf Monaten von Machtmissbrauch. Erschreckend ist auch, dass 13% der Teilnehmer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen waren. Das sind erschreckende Zahlen, die nicht nur die Betroffenen betreffen, sondern auch das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland.

Die Umfrage zeigt klar, dass die Hauptverursacher ärztliche Vorgesetzte sind. Satte 86% der Fälle von Machtmissbrauch sind auf deren Fehlverhalten zurückzuführen. Und die Dunkelziffer könnte noch höher sein, denn 80% der Befragten haben Vorfälle nicht gemeldet. Aus Angst vor Nachteilen in der Karriere oder schlichtweg wegen des Mangels an vertraulichen Meldemöglichkeiten wird geschwiegen. Michael Wessendorf, der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, fordert dringend einen besseren Zugang zu unabhängigen Meldestellen.

Machtmissbrauch als strukturelles Problem

Die Umfrage deckt ein strukturelles Problem auf. Viele der Befragten berichten von emotionaler Erschöpfung und verminderter Arbeitsmotivation. 78% fühlen sich emotional erschöpft, und 71% haben das Gefühl, dass ihre Motivation am Arbeitsplatz nachgelassen hat. Es ist kein Wunder, dass 61% der Befragten einen Jobwechsel innerhalb der Klinik in Betracht ziehen und 41% sogar darüber nachdenken, die stationäre Versorgung ganz zu verlassen. Diese Situation ist nicht nur für die Ärzte selbst, sondern auch für die Patienten alarmierend.

Die häufigsten Formen des Machtmissbrauchs sind respektloser Umgangston, die Infragestellung der fachlichen Kompetenz, Mobbing und öffentliche Bloßstellung. Man fragt sich, wie es in einem Umfeld, in dem Menschenleben auf dem Spiel stehen, zu solch toxischen Dynamiken kommen kann. Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft betont die Notwendigkeit, die Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren und ein Umdenken herbeizuführen.

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte: Die Mehrheit der Betroffenen bleibt aufgrund fehlender Konsequenzen oder der Angst vor beruflichen Nachteilen stumm. Das ist nicht nur ein persönliches Dilemma, sondern untergräbt das gesamte Gesundheitssystem. Der UKSH (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) hat bereits Maßnahmen zur Prävention gegen übergriffiges Verhalten implementiert, aber ob das ausreicht, bleibt fraglich.

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Politische Reaktionen und der Weg nach vorne

Die politischen Reaktionen auf diese Umfrage sind ebenfalls nicht zu übersehen. Es gibt Forderungen nach flacheren Strukturen im Gesundheitssystem, um Machtmissbrauch zu reduzieren. Dringender Handlungsbedarf wird gefordert, um die Probleme, die sich hinter den Kulissen abspielen, anzugehen. Es scheint, als ob die Diskussion um Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in Krankenhäusern nicht nur auf lokaler, sondern auch auf bundesweiter Ebene geführt werden muss.

Die größte bundesweite Befragung zu diesem Thema fand im Februar und März 2023 statt und zeigt, dass die Probleme weit verbreitet sind. Über 9.000 Medizinerinnen und Mediziner nahmen daran teil, und die Mehrheit der Befragten war weiblich. Die Resultate sind nicht nur Zahlen, sie sind ein Aufruf zur Veränderung. Es ist höchste Zeit, dass diese Themen nicht länger unter den Tisch gekehrt werden. Die Patienten und die Angestellten in den Kliniken verdienen ein respektvolles und sicheres Arbeitsumfeld.

Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten, aber die Zeichen stehen auf Veränderung. Es ist an der Zeit, dass jeder Einzelne in der Branche Verantwortung übernimmt und für ein besseres Arbeitsklima kämpft. Die betroffenen Ärztinnen und Ärzte haben eine Stimme, die gehört werden muss. Für die Zukunft des Gesundheitssystems in Deutschland und vor allem für die Menschen, die dort arbeiten.

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