In Schleswig-Holstein gibt es zurzeit einen klaren Trend: Hohe Spritpreise haben die Nachfrage nach Elektroautos in die Höhe schnellen lassen. Das hat nun auch der Landesverband des Kfz-Gewerbes auf Anfrage des NDR bestätigt. Besonders gebrauchte Elektrofahrzeuge sind gefragt – für einige Marken gibt es kaum noch Verfügbarkeiten. Und auch bei neuen Elektroautos zeigt sich seit Ende März ein Anstieg der Nachfrage. Autohändler vor Ort haben zwar noch eine große Auswahl, speziell bei teureren Modellen, bei den günstigeren kann es jedoch zu längeren Lieferzeiten kommen.

Ein Blick auf die Zahlen: Im April waren 65% der 6.340 zugelassenen Pkw in Schleswig-Holstein Fahrzeuge mit alternativem Antrieb. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als es noch 55% waren. Auch deutschlandweit lässt sich ein Anstieg von 21% bei Elektrofahrzeugen im vergangenen Jahr beobachten. Bremen, Hamburg und Niedersachsen übertreffen sogar den Durchschnitt. Zudem setzen immer mehr Fahrschulen in Schleswig-Holstein auf Elektroautos – ein weiteres Zeichen, dass der Wandel hin zu E-Autos nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Prämie und ihre Auswirkungen

Die neue E-Autoprämie des Bundes, die seit dieser Woche gilt, hat bisher allerdings keinen zusätzlichen Nachfrageschub erzeugt. Händler und Branchenexperten zeigen sich skeptisch, da die geförderte Personengruppe nicht die typischen Neuwagenkunden umfasst. Die Prämie beläuft sich auf bis zu 6.000 Euro, abhängig vom Haushaltseinkommen und der Anzahl der Kinder. Das Antragsportal wurde am 19. Mai freigeschaltet, und innerhalb der ersten 24 Stunden gingen bereits 17.000 Anträge ein. Die Nachfrage nach E-Autos wird auch durch das Gefühl befeuert, dass die Fördermittel nicht ewig ausreichen werden.

Ein weiteres Beispiel für den Boom ist der Autohändler Belkin, der im letzten Monat eine Rekordzahl von 25 Elektroautos verkauft hat. Laut dem Verband der Automobilhändler ist mittlerweile jedes dritte bestellte Fahrzeug ein E-Auto. Der Preisunterschied zwischen Elektroautos und Verbrennern hat sich zudem verringert. Im April betrug dieser nur noch 1.800 Euro – vor 1,5 Jahren waren es über 5.000 Euro. Das günstigste Elektroauto ist der Dacia Spring, der für 18.700 Euro angeboten wird. Dennoch gibt es Bedenken: Ein Elektroauto unter 10.000 Euro ist mit der maximalen Förderung nicht möglich. Der ADAC weist darauf hin, dass nur wenige Kunden von der vollen Fördersumme der Prämie profitieren.

Kritik und Zukunftsausblick

Die Kritik an der Prämie ist nicht zu übersehen. Fachleute wie Ferdinand Dudenhöffer halten sie für überflüssig, und auch der Verband der Automobilhändler Deutschlands sieht die Förderung als unnötig an. Ein Punkt, der oft angesprochen wird, ist der Ausschluss gebrauchter E-Autos von der Förderung. VAD-Präsident Weller bezeichnet dies als Fehler. Die Empfehlung der Automobilhändler lautet, die Förderung vor allem für Leasing von neuen E-Autos zu nutzen.

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Für die Zukunft plant die Stadt Schleswig bis 2034 den Bau von mehr öffentlichen Ladepunkten. Jährlich sollen 360 neue Säulen entstehen. Mit der Energiekrise könnte auch der Markt für vollelektrische Lkw auf den deutschen Straßen an Fahrt gewinnen. All diese Entwicklungen zeigen, dass die Mobilität der Zukunft elektrisch sein könnte – und dass der Markt bereit ist, sich entsprechend anzupassen.