In Peine, einer Stadt, die über Jahrzehnte hinweg für viele Bewohner der Ort war, an dem sie sich gerne in den Friseursalon begaben, hat sich nun eine traurige Wende vollzogen. Der Friseursalon „J+S“ in Edemissen hat seine Türen geschlossen. Dieses Familienunternehmen, das 1957 von Helmut Wöhler gegründet wurde und 2024 sein 70-jähriges Bestehen gefeiert hätte, musste aufgrund des Fachkräftemangels aufgeben. In einer Zeit, in der viele Friseurbetriebe, insbesondere die kleinen, familiär geführten Salons, ums Überleben kämpfen, ist dies ein weiterer schmerzlicher Verlust für die lokale Gemeinschaft. Die Familienmitglieder, die den Salon zuletzt führten, mussten feststellen, dass sie nicht mehr genug qualifiziertes Personal finden konnten. Eine Mitarbeiterin wechselte zu einem anderen Friseur, während eine andere Kollegin in die Pflegebranche ging. So blieb am Ende nur noch ein kleines Team übrig, unterstützt von Jörn Krüger, dem Vater der Geschwister. Doch die Geschwister, Lena, Kim und Nico, konnten aufgrund ihrer Vollzeitjobs in anderen Berufen nicht aktiv im Salon arbeiten. Das Zusammenspiel dieser Umstände machte den Betrieb unhaltbar, und zum Schluss war der Salon nicht mehr wirtschaftlich tragbar. Wenn man bedenkt, wie viele Kunden ihrem Friseur oftmals ein Leben lang treu bleiben, ist diese Schließung besonders schmerzhaft für die Stammkundschaft.
Wirtschaftliche Herausforderungen für die Branche
Die Schließung von „J+S“ ist kein Einzelfall. Laut dem Zentralverband Friseurhandwerk steht das gesamte Friseurhandwerk unter Druck. Die Branche kämpft nicht nur mit einem akuten Mangel an Nachwuchskräften, sondern sieht sich auch steigenden Betriebskosten und einem veränderten Konsumverhalten gegenüber. Trotz einer wachsenden Nachfrage nach Schönheitsdienstleistungen ist die wirtschaftliche Lage vieler Friseurbetriebe angespannt. Im Jahr 2023 erwirtschafteten 52.989 umsatzsteuerpflichtige Friseurunternehmen in Deutschland 7,5 Milliarden Euro Umsatz, was einem Anstieg von 5,9% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allerdings ist dieses Wachstum hauptsächlich auf inflationsbedingte Preissteigerungen und die Normalisierung nach pandemiebedingten Einschränkungen zurückzuführen.
Die Preisanpassungen sind deutlich spürbar. Damenhaarschnitte, Herrenhaarschnitte und Kinderschnitte haben im Vergleich zum Vorjahr um 4%, 4% und 4,2% zugelegt. Das Preisniveau im Friseurhandwerk liegt über der allgemeinen Inflationsrate von 2,2% in Deutschland. Auch wenn viele Betriebe versuchen, wettbewerbsfähig zu bleiben, ist die wirtschaftliche Zurückhaltung der Verbraucher ein ständiger Begleiter. Es gibt zwar einen leichten Anstieg von 2,8% bei den Auszubildenden im Friseurhandwerk, doch der Mangel an qualifizierten Fachkräften bleibt eine zentrale Herausforderung. Zudem ist der Anstieg der männlichen Auszubildenden um 14,5% erfreulich, aber die Branche braucht mehr als nur ein paar positive Statistiken, um die Herausforderungen zu bewältigen, die vor ihr liegen.
Ein Blick in die Zukunft
Für die Friseure in Peine und anderswo könnte die wirtschaftliche Unsicherheit noch einige Zeit bestehen bleiben. Kurzfristig ist keine spürbare Entlastung in Sicht, und die Aussicht auf eine nachhaltige Erholung der Gesamtwirtschaft könnte neue Impulse für das Friseurhandwerk bringen. Die Frage bleibt, wie viele weitere Salons wie „J+S“ dem Druck nicht standhalten können und schließen müssen. Die Kunden, die sich an ihre Friseure gewöhnt haben, müssen sich auf Veränderungen einstellen. Vielleicht wird der Gang zum Friseur in Zukunft nicht mehr so selbstverständlich sein wie früher. Die Zeit wird zeigen, ob die Branche die Herausforderungen annehmen und sich anpassen kann. Die aktuellen Umstände werfen einen langen Schatten über die Zukunft des Friseurhandwerks in Deutschland.
