In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt stehen die Zeichen auf Großveranstaltung. Am 4. und 5. Juli findet der AfD-Bundesparteitag in der Messe Erfurt statt, und die Stadt hat sich für die zahlreichen Besucher und die damit verbundenen Herausforderungen gut vorbereitet. Der Verwaltungsstab, bestehend aus Polizei, Stadtwerken und dem Nahverkehrsbetrieb Evag, hat bereits alle Hände voll zu tun, um sowohl die Anreise der Delegierten als auch die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten. Die Messe liegt an der Gothaer Straße am westlichen Stadtrand, was die Anreise für viele Teilnehmer erleichtert, aber auch für erhebliche Verkehrseinschränkungen sorgen könnte.

Erwartet werden mehrere Hundert Delegierte, Hunderte Gäste und Medienvertreter. Im Kontrast dazu haben sich auch die Gegendemonstranten formiert: Laut Polizei werden zwischen 35.000 und 50.000 Menschen zu mindestens zehn angemeldeten Demos erwartet. Besonders der große Demonstrationszug durch die Innenstadt wird viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die größte Demonstration wird vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert, mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahl, die bereits angemeldet ist. Die Stadt hat Camps für die Kundgebungsteilnehmer eingerichtet, und die Demos sind für den gesamten Zeitraum von Freitag bis Sonntag angesetzt.

Verkehrschaos und Sicherheitsvorkehrungen

Die Polizei rechnet mit möglichen Störaktionen und hat dafür tausende Polizisten im Einsatz. Es wird mit erheblichen Verkehrseinschränkungen insbesondere im Bereich der Gothaer Straße und Innenstadt gerechnet. Die Straßenbahnlinie 2 wird am Wochenende nicht durchgängig zur Endstation fahren können, und der P+R-Parkplatz Messe bleibt gesperrt. Autofahrer müssen sich auf Sperrungen der Eisenacher Straße ab IKEA, der Gothaer Straße sowie des Gothaer Platzes einstellen. Um die Anreise für die Teilnehmer der Demos zu erleichtern, empfiehlt die Stadt auch, über den Osten und Norden der Stadt anzureisen. Für Reisende, die in den Sommerurlaub fahren wollen, könnten auf den Autobahnen Störungen auftreten.

Die Stadt hat vorgesorgt: Auf dem Petersberg werden Container und Hinweisschilder aufgestellt, um Vermüllung zu vermeiden, und auf dem Erfurter Domplatz sind zwei Konzerte geplant. Roland Kaiser tritt am Freitag auf, während Clueso am Samstag die Massen begeistern soll – beide Konzerte sind bereits ausverkauft, und jede Veranstaltung wird mit etwa 15.000 Besuchern rechnen. Die Stadt rechnet zudem mit tausenden Zaungästen, die die Konzerte verfolgen möchten. Mit einem fast voll belegten Hotelzimmerangebot in Erfurt ist die Stadt gut gebucht, selbst Hotels in bis zu einer Stunde Entfernung sind gefragt.

Die Lage in Riesa

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Riesa, wo der AfD-Bundesparteitag mit mehr als zwei Stunden Verspätung begann, was vor allem den Protestaktionen und Blockaden durch Gegendemonstranten geschuldet war. Parteichef Tino Chrupalla äußerte sich kritisch über die Anreisebedingungen, da viele Delegierte im Stau steckten. Über 12.000 Menschen hatten sich mobilisiert, um die Zufahrtswege zu blockieren, was die Polizei dazu zwang, Sitzblockaden zu räumen und teilweise Pfefferspray einzusetzen. In Riesa waren schätzungsweise 10.000 Demonstranten aktiv, während die sächsische Polizei mit mehreren tausend Einsatzkräften vor Ort war, um eine friedliche Durchführung des Parteitags zu ermöglichen.

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Wie sich die Situation in Erfurt entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Stadt hat ein separates Informationsangebot auf erfurt.de freigeschaltet und plant, über einen Whatsapp-Kanal sowie ein Bürgertelefon aktuelle Informationen bereitzustellen. In der Einwohnerversammlung im Ortsteil Schmira, die vor dem Juli-Wochenende stattfindet, sollen auch medizinische und pflegerische Fragen erörtert werden. Es bleibt spannend, wie die Stadt und ihre Bürger mit der Situation umgehen werden und ob die Demos friedlich verlaufen. Die Vorbereitungen sind auf jeden Fall in vollem Gange.