In Thüringen zeigt der neue Thüringen-Monitor eindrucksvoll, wie die Menschen zur Demokratie stehen. Es gibt eine hohe Zustimmung zur Idee der Demokratie – das ist erfreulich. Trotzdem lässt die Unzufriedenheit mit der praktischen Umsetzung nicht lange auf sich warten. In der aktuellen Podcast-Serie „Tacheles Thüringen“ analysieren Elena Vogel und Fabian Klaus diese spannenden Ergebnisse. Sie beleuchten die Diskrepanz zwischen den idealen Vorstellungen von Demokratie und dem, was die Menschen tatsächlich erleben. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Vertrauen in die Politik, sondern auch auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft.
Besonders interessant ist die Stimmung unter den jungen Menschen, die zwischen 18 und 29 Jahre alt sind. Trotz guter Bildungswege kommt bei vielen Unsicherheit auf. Diese jungen Leute stellen sich die Frage, ob ihre realen Probleme vielleicht zu schnell als „Stimmungsprobleme“ abgetan werden. Ein Blick auf die Feuerwehr-Verbandsversammlung zeigt, dass es in der Politik eine spannende Diskussion über Substanzlieferung versus Signalsetzung gibt. Gleichzeitig wird die Koalitionsdynamik als besonders angespannt beschrieben – auf einem Tiefpunkt, um genau zu sein. Immerhin gibt es wöchentliche Rubriken, die die Top- und Flop-Thüringer der Woche vorstellen. Wer neugierig ist, kann die Sendung jeden Dienstag als Podcast hören, um keinen Trend zu verpassen. Hier geht’s zur Quelle.
Die Jugend im Blick
Das Verhältnis der Jugend zur repräsentativen Demokratie ist in Deutschland nicht gerade einfach. Wahlabstinenz und neue Formen politischer Artikulation prägen das Bild. Politikwissenschaftler konzentrieren sich zunehmend auf die politischen Orientierungen junger Menschen, die ja schließlich die zukünftigen Träger der Demokratie sind. Ein Datenreport von 2016 zeigt, dass jüngere Altersgruppen (18-34 Jahre) die Demokratie nicht mehr so stark als die beste Staatsform ansehen. In Westdeutschland sind das 79%, in Ostdeutschland 74%. Im Gegensatz dazu ist die Zustimmung bei älteren Altersgruppen deutlich höher. Aber das ist noch nicht alles: Die Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie ist im Osten geringer – bei den jungen Menschen sind es nur 45%, während im Westen 72% zufrieden sind.
Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2015 hat 2075 junge Menschen zur politischen Aktivität befragt. Ähnlich wie im Thüringen-Monitor zeigt sich, dass die Zustimmung zur Demokratie hoch ist, aber die Zufriedenheit mit ihrer praktischen Umsetzung sinkt. Das Vertrauen in Institutionen des Rechtsstaats ist am höchsten, während Parteien und Politiker das geringste Vertrauen genießen. Ein interessanter Punkt sind die unterschiedlichen Typen der politischen Einstellungen: Fast die Hälfte der Befragten werden als „zufriedene Demokraten“ eingestuft. Aber auch „Distanzierten“ und „unzufriedene Demokraten“ sind vertreten. Hier finden Sie mehr dazu.
Der Wandel der Einstellungen
Die Einstellungen junger Menschen zur Demokratie haben sich im Laufe der Jahre verändert. Ein Artikel aus der Zeitschrift Diskurs Kindheits- und Jugendforschung beschreibt diesen Wandel. Die Autoren Johann de Rijke, Wolfgang Gaiserl, Martina Gille und Sabine Sardei-Biermann untersuchen verschiedene Haltungen gegenüber dem politischen System. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe der zufriedenen Demokraten im Westen fast doppelt so groß ist wie im Osten. Im Osten führt eine gestiegene Unzufriedenheit zu einer stärkeren Distanz zur Demokratie, während im Westen die kritischen und unpolitischen Einstellungen zunehmen. Ein niedrigeres Bildungsniveau und das Gefühl sozialer Benachteiligung tragen zur Distanzierung von der politischen Beteiligung bei. Hier geht’s zur Quelle.
Die Herausforderungen für unsere demokratische Gesellschaft sind also klar: Unzufriedene und distanzierte junge Menschen, oft aus prekären Lebensumständen, zeigen eine Politikverdrossenheit, die nicht ignoriert werden kann. Umso wichtiger sind politische Bildungsmaßnahmen, um diese jungen Menschen wieder an demokratische Verfahren heranzuführen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Einstellungen weiterentwickeln und welche Wege die Politik einschlägt, um das Vertrauen der jüngeren Generation zurückzugewinnen.