Drohbriefe mit „NSU 2.0“ in Thüringen: Aufruf zur Gewalt und rechtsextremistisches Potenzial
In Thüringen überschlagen sich die Ereignisse, und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Am 12. Juni 2026 wurden insgesamt 19 Drohbriefe mit dem beunruhigenden Label „NSU 2.0“ verschickt. Diese Briefe erreichten Bildungseinrichtungen, Sportvereine, Polizeidienststellen, kommunale Verwaltungen sowie verschiedene politische Einrichtungen und Privatpersonen. Auch der Fraktionschef der Linken, Christian Schaft, erhielt ein solches Schreiben. Die Drohungen in diesen Briefen sind alarmierend: Sie rufen unter anderem zum Mord an Muslimen auf und enthalten Schmähbegriffe sowie entmenschlichende Äußerungen über diese Bevölkerungsgruppe. Die Polizei hat bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen.
Der Absender der Briefe ist ein CDU-Landesminister, Christian Tischner. Obwohl sein Name und seine Dienstadresse auf den Schreiben angegeben sind, bestätigte das Ministerium, dass Tischner nicht der Verfasser oder Versender dieser Briefe ist. Die Briefe wurden an die Ermittlungsbehörden übergeben, und es wird untersucht, wer hinter diesen Drohungen steckt. Bereit im Jahr 2018 gab es eine ähnliche Serie von Drohbriefen, die ebenfalls mit „NSU 2.0“ gekennzeichnet waren. Die Bezeichnung bezieht sich auf die rechtsextreme Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“, die zwischen 2000 und 2007 zehn Morde verübte, vorwiegend an Gewerbetreibenden türkischer und griechischer Herkunft sowie einer deutschen Polizistin.
Der Aufruf zur Gewalt
Eins der erschreckendsten Elemente dieser Drohbriefe ist der unverblümte Aufruf zur Gewalt. Nationalsozialistische Vernichtungsfantasien und Mordaufrufe sind in den Schreiben zu finden, die von der Linke-Fraktion der Polizei übergeben wurden. Die Abgeordnete Katharina König-Preuss beschrieb den Inhalt als an die NS-Zeit anknüpfend, was die düstere Stimmung der Briefe nur verstärkt. Es ist ein erschreckendes Zeichen dafür, wie tief rassistische und antisemitische Hetze in Teilen der Gesellschaft verwurzelt ist.
Die „taz“ berichtete von mindestens 19 rassistischen Briefen, die die Landespolizeidirektion als besorgniserregend einstuft. Die Polizei war am Freitagnachmittag zunächst nicht erreichbar, was in Anbetracht der Situation mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Auch die Drohungen gegen Ex-Kanzlerin Angela Merkel und die Grünen sind nicht zu übersehen, was die politische Brisanz der Situation unterstreicht.
Rechtsextremismus in Deutschland
Diese Vorfälle sind nicht isoliert zu betrachten. Laut aktuellen Zahlen des Verfassungsschutzes gibt es Ende 2024 in Deutschland ein rechtsextremistisches Personenpotenzial von 50.250 Menschen, was im Vergleich zu 2023 (40.600 Personen) einen signifikanten Anstieg darstellt. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der gewaltorientierten Rechtsextremisten – hier ist eine Zunahme auf 15.300 Personen zu verzeichnen. Die Dunkelziffer könnte sogar noch höher liegen, denn viele Taten bleiben unentdeckt oder werden nicht gemeldet.
Ein weiterer alarmierender Punkt sind die rechtsextremistischen Straf- und Gewalttaten. Diese sind im Jahr 2024 um 47,4 % auf 37.835 gestiegen. Propagandadelikte machen dabei einen Großteil aus, jedoch nimmt auch die Zahl der Gewalttaten zu. Die Instrumentalisierung gesellschaftlicher Themen, wie etwa der Nahostkonflikt, wird von Rechtsextremisten genutzt, um migrationsfeindliche und antisemitische Positionen zu propagieren. Das zeigt, dass die aktuellen Drohungen in Thüringen Teil eines viel größeren Problems sind, das die gesamte Gesellschaft betrifft.
Die Lage ist angespannt, und die Ereignisse in Thüringen sind ein besorgniserregendes Beispiel für die Herausforderungen, vor denen Deutschland steht. Die Ermittlungen werden zeigen, ob es gelingt, die Hintergründe dieser Drohbriefe zu klären und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ein düsterer Ausblick, der aufzeigt, wie wichtig es ist, gegen Hass und Hetze vorzugehen.
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