Heute ist der 21.05.2026. In Erfurt, der Hauptstadt Thüringens, wird derzeit ein Schatten über dem renommierten Theater gelegt. Im Oktober 2023 machte die frühere Gleichstellungsbeauftragte Mary-Ellen Witzmann in einem Zeitungsartikel Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt am Theater Erfurt öffentlich. Diese erschütternden Anschuldigungen haben nicht nur die Theaterlandschaft erfasst, sondern auch weitreichende Folgen für die Stadtverwaltung selbst.

Die Situation eskalierte schnell: Witzmann wurde fristlos gekündigt und klagte gegen ihre Entlassung. In einem unerwarteten Twist erhielt sie im April 2025 von der Stadt Erfurt eine Abfindung in Höhe von rund 400.000 Euro. Dies belastete die Stadtkasse enorm, da die Anwaltskosten in Höhe von rund 800.000 Euro zusätzlich zu den finanziellen Schwierigkeiten des Theaters kamen. Bereits im Jahr 2024 wurde eine Ausgabensperre von einer Million Euro für das Theater verhängt, was die prekäre Lage noch verschärfte. Ein Defizit von rund drei Millionen Euro war das Ergebnis aus sinkenden Besucherzahlen und steigenden Personalkosten.

Untersuchungen und neue Leitung

Um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen, hat die Stadt Erfurt die Anwaltsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Legal (PwC) mit einer umfassenden Prüfung beauftragt. Der Stadtrat hat für diese Maßnahme abgestimmt, was durchaus als ein Zeichen der Ernsthaftigkeit gewertet werden kann. PwC soll nicht nur den Umgang der Stadtverwaltung mit den Vorwürfen bewerten, sondern auch die Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit des Theaters unter die Lupe nehmen. Parallel dazu laufen auch Untersuchungen des Rechnungsprüfungsamts.

Ein weiterer einschneidender Schritt war die Abberufung des Generalintendanten Guy Montavon, die Anfang Februar 2023 in einer nicht öffentlichen Sondersitzung des Stadtrats beschlossen wurde. Sein Vertrag musste aufgrund von Vermögensdelikten und Missbrauchsvorwürfen aufgehoben werden, wobei ein zuvor ausgearbeiteter Vertrag, der eine Entlastungsklausel beinhaltete, vom Stadtrat abgelehnt wurde. Montavon wird nun in beidseitigem Einvernehmen unbefristet freigestellt, was die Unsicherheit rund um das Theater weiter verstärkt.

Neuer Interimsintendant und die Zukunft des Theaters

Ab der kommenden Spielzeit wird das Theater Erfurt von Christian Illgen geleitet, der zuvor künstlerischer Betriebsdirektor am Theater Cottbus war. Illgen übernimmt das Amt für zwei Jahre – es bleibt abzuwarten, wie er die Geschicke des Theaters lenken wird, während die finanziellen und strukturellen Herausforderungen drückend bleiben. Die Vorwürfe und die damit einhergehenden Unruhen haben nicht nur die Belegschaft, sondern auch die treue Zuschauerschaft tief getroffen.

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Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob das Theater Erfurt aus dieser Krise gestärkt hervorgehen kann oder ob es weiterhin mit den Nachwirkungen dieser Skandale zu kämpfen haben wird. Die nächsten Monate werden entscheidend sein, sowohl für die Kulturinstitution selbst als auch für die Stadt, die auf eine positive Wende hofft.

Die vollständigen Hintergründe zu den Vorwürfen und den Entwicklungen sind ausführlich in einem Artikel auf MDR zu finden. Weitere Informationen über die laufenden Prüfungen und deren Ergebnisse sind auch auf Tag24 verfügbar.