Am Dienstag war es soweit – im historischen Ambiente des Schlosses Ettersburg in Thüringen verabschiedete sich der Thüringer Verband der Wirtschaft Thüringen (VWT) von seinem langjährigen Präsidenten Hartmut Koch. Nach 13 Jahren an der Spitze, ist es nun an der Zeit für einen Generationswechsel, so der 79-jährige Koch. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge blickte er auf seine Zeit im VWT zurück, in der er sich leidenschaftlich für die wirtschaftlichen Belange Thüringens einsetzte. Sein Engagement wurde von den Anwesenden gebührend gewürdigt. Der VWT, der unter seiner Führung in turbulente Zeiten navigierte, hat sich als stabiler Partner für Politik und Wirtschaft etabliert.

Die Wahl seines Nachfolgers, Mathias Ulbricht, war der nächste Schritt in eine neue Ära. Einstimmig wurde der 57-Jährige, der die Siemens-Niederlassung in Thüringen leitet, zum neuen Präsidenten gewählt. Ulbricht, gebürtiger Leipziger und studierter Wirtschaftsingenieur, bringt einen reichen Erfahrungshorizont mit – von Frankfurt über Leipzig bis nach Karlsruhe war er in verschiedenen Positionen im Siemens-Konzern tätig, bevor er 2019 die Verantwortung für die Thüringer Niederlassung übernahm. Nach seiner Wahl stellte Ulbricht klar, dass der VWT auch in Zeiten des Wandels ein verlässlicher Ansprechpartner bleiben müsse, und forderte mehr Investitionen in technologiegetriebene Wertschöpfung sowie eine stärkere Ausrichtung der Bildungslandschaft auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

Ein Blick in die Zukunft

Ulbricht sprach sich besonders für eine motivierende Arbeitsmarktpolitik aus, die Jugendlichen ohne Abschluss gezielte Unterstützung bietet. Dies ist in einer Zeit, in der viele Unternehmen um qualifizierte Fachkräfte kämpfen, von enormer Wichtigkeit. In Anbetracht der Tatsache, dass über 50% der Unternehmensinhaber in Deutschland 55 Jahre oder älter sind, wird deutlich, wie dringend eine strukturiert angelegte Nachfolgeplanung ist. Unternehmen mit älteren Inhabern investieren laut aktuellen Studien 20 Prozentpunkte seltener – ein alarmierender Trend, der die Innovationskraft des Mittelstands gefährdet.

Im Jahr 2023 investierten kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland insgesamt 219 Milliarden Euro. Doch bei einer ungeklärten Nachfolge sinkt das Investitionsvolumen um 32%. Das zeigt, dass Unternehmen in der Übergangsphase oft zögern, neue Wege zu gehen. Ulbricht möchte diesem Trend entgegenwirken und sieht die Notwendigkeit, die Nachfolge frühzeitig und strukturiert zu gestalten. Es bleibt zu hoffen, dass ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern folgen, um den Mittelstand zu stärken.

Die Herausforderungen der Gegenwart

Die konjunkturelle Lage in Deutschland ist angespannt. Viele Unternehmen, trotz ausreichender Liquidität, investieren nicht. Nur 39% der kleinen und mittleren Unternehmen zeigen sich investitionsfreudig – ein Umstand, der sich dringend ändern muss, um Wachstum und Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die Rolle der Banken und der Wirtschaftsverbände wird hierbei immer wichtiger. Auch die Kammern müssen ihren Teil leisten, um die Unternehmen bei der Nachfolge zu unterstützen. Oft sind die bestehenden Förderprogramme jedoch zu bürokratisch und limitiert, was die Unternehmen zusätzlich belastet.

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Eine strukturierte Nachfolgeplanung könnte nicht nur Investitionen ankurbeln, sondern auch die Innovationskraft des Mittelstands stärken. Die Herausforderungen in der Zusammenarbeit zwischen Banken, Kammern und Beratungsstellen sind komplex. Ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Beteiligten zusammenbringt, ist unerlässlich. Die Zeit drängt, denn die Zukunft des Mittelstands hängt entscheidend von der Nachfolge ab.

Für den VWT und seine Mitglieder steht nun der Weg in eine neue Ära an – getragen von frischem Wind und neuen Ideen. Ulbricht hat die Herausforderung angenommen und es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln werden.