Gera gegen Rechts: Der unermüdliche Widerstand von Janusz Riese
In Gera, einer Stadt, die in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen steht, packt Janusz Riese heute gemeinsam mit einer Helferin Demo-Material in ein Auto. Die beiden sind in einem Keller beschäftigt, um Lautsprecher, Pavillon, Grill, Fahnen, Tische und Banner für die wöchentliche Kundgebung am Theater zu verladen. Das Verladen selbst ist eine echte Herausforderung, wie Riese bemerkt. Man fragt sich, wie viel Kraft und Ausdauer es braucht, um gegen das aufkeimende Unrecht anzutreten. Und tatsächlich ist das Aktionsbündnis „Gera gegen Rechts“ nicht einfach nur eine flüchtige Idee, sondern ein fester Bestandteil des Widerstands hier in der Region.
Entstanden ist das Bündnis in den frühen 2010er Jahren als Reaktion auf das Neonazi-Festival „Rock für Deutschland“, bei dem Tausende von Rechtsextremen in Gera zusammenkamen. Riese selbst ist seitdem aktiv und hat an vielen Protesten teilgenommen, unter anderem gegen Thügida, die Corona-Maßnahmen und rechte Montagsdemonstrationen. Seit Dezember 2021 versammeln sich wöchentlich Neonazis in Gera, und Riese reagierte schnell, indem er einen Gegenprotest organisierte, der drei Monate lang in Form einer Menschenkette stattfand. Es ist nicht nur ein Kampf gegen die Neonazis, sondern auch gegen die Eskalation der Situation, die letztendlich dazu führte, dass die Polizei den Gegenprotest nicht mehr schützen konnte.
Die Realität der Proteste
Rieses Engagement ist unermüdlich, denn auch wenn die aktuellen Teilnehmerzahlen der rechten Demos gesunken sind – von anfänglichen 4.000 auf weniger als 150 – bleibt die Notwendigkeit, mehr Menschen für antifaschistische Proteste zu gewinnen, bestehen. Zudem hat die AfD mittlerweile die Mehrheit im Stadtrat von Gera, was die politische Landschaft erheblich beeinflusst hat. Riese beschreibt die Veränderungen im Bündnis, die ihm oft einen Schock versetzt haben, insbesondere wenn man bedenkt, dass ein SPD-Landtagskandidat sich sogar mit Neonazis traf. Solche Entwicklungen machen die Situation in Gera umso prekärer.
Und die Herausforderungen hören hier nicht auf. Die Organisation der wöchentlichen Kundgebungen erfordert bis zu fünf Stunden Vorbereitungszeit. Doch Riese ist fest entschlossen, nicht nur gegen rechte Demos anzutreten, sondern auch positive Veranstaltungen zu zeigen. Seit Sommer 2024 beansprucht das Aktionsbündnis den Platz vor dem Theater für ein Kulturprogramm, das ein Lichtblick in der trüben politischen Landschaft ist. Riese hat auch die Position des Anmelders für diese Kundgebungen übernommen und meldete seine erste im April 2024 an.
Ein Blick auf die Zahlen
Die Situation in Gera spiegelt ein größeres Problem in Deutschland wider. Laut dem Verfassungsschutz beträgt das Personenpotenzial gewaltorientierter Rechtsextremisten rund 15.600 Personen und hat sich im Vergleich zu den Vorjahren erhöht. Im Jahr 2025 wurden 25.660 rechtsextremistische Straftaten registriert, was mehr als 101 Straftaten pro Tag entspricht. Und die Zahlen der Gewalttaten sind ebenfalls alarmierend gestiegen. Diese Entwicklungen machen deutlich, dass der Kampf gegen den Rechtsextremismus nicht nur lokal, sondern auch national von großer Bedeutung ist.
Die Zahl der rechtsextremistischen Demonstrationen nahm im Jahr 2025 auf 513 zu, was eine erhebliche Steigerung im Vergleich zu 360 im Jahr 2024 darstellt. Diese Demonstrationen konzentrieren sich oftmals auf Themen wie Asyl und Migration sowie Queerfeindlichkeit. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Initiativen wie „Gera gegen Rechts“ weiterhin aktiv bleiben und sich gegen diese Bedrohungen stemmen. In einer Zeit, in der die gesellschaftliche Spaltung immer sichtbarer wird, ist der Mut von Menschen wie Janusz Riese unbezahlbar.
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