In der kleinen Stadt Themar, die im malerischen Thüringen liegt, gibt es einige besorgniserregende Entwicklungen. Seit Januar 2023 ist Joachim Hanf der ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt, und er steht vor enormen Herausforderungen. Themar, einst ein Ort mit lebhaften Geschäften, hat mittlerweile keinen einzigen Laden mehr – der letzte Fleischer hat im Jahr 2022 dichtgemacht. Dies ist nur eine Facette der wirtschaftlichen Probleme, die die Stadt plagen. So gehen in diesem Jahr auch drei Zahnärzte in den Ruhestand, ohne dass Nachfolger in Sicht sind. Der Rückgang der Einwohnerzahl – von fast 3.000 vor zehn Jahren auf derzeit etwa 2.600 – hat zur Folge, dass die finanziellen Mittel aus dem Land ebenfalls sinken, während die Ausgaben steigen.

Die Stadt hat es schwer. Die Bibliothek und die Tourist-Information sind geschlossen, was nicht gerade dazu beiträgt, das kulturelle Leben zu erhalten. Doch Hanf hat einen Plan. Er möchte die Bibliothek einmal pro Woche öffnen und sucht dafür eine geringfügig beschäftigte Mitarbeiterin. Leider ist Themar in der Haushaltssicherung, was bedeutet, dass freiwillige Leistungen um 50 % gekürzt werden müssen. Ein weiteres finanzielles Sorgenkind ist die Umlage, die Themar 2023 an den Landkreis zu zahlen hat: über 1,2 Millionen Euro. Das zieht die Stadt nur noch weiter in die Abwärtsbewegung.

Die Infrastruktur in der Krise

Die Infrastruktur ist ebenfalls ein großes Thema. Themar hat über 30 marode Brücken, und die Fußgängerbrücke am Bahnhof ist stark verrostet. Die Sanierung wird mindestens 300.000 Euro kosten – Geld, das die Stadt nicht hat. Im Vergleich dazu hat die Nachbarstadt Schleusingen, die noch eine funktionierende Bibliothek und Tourist-Information besitzt, auch nicht viel mehr Glück: Die Gewerbesteuereinnahmen sind von sieben auf vier Millionen Euro gesunken.

Ein Lichtblick ist das Freibad in Themar, das vor zwei Jahren von einem Verein übernommen wurde, um dessen Betrieb zu sichern. Es wurden neue Pumpen installiert und eine Photovoltaikanlage errichtet, die helfen, die Energiekosten zu senken. Das Freibad öffnet am 1. Juni und könnte für die Anwohner eine willkommene Abwechslung bieten. In Schleusingen gibt es gleich zwei Schwimmbäder, wobei ein Verein den Betrieb des Erlauer Bades übernehmen soll.

Demografische Herausforderungen und staatliche Unterstützung

Die demografische Entwicklung spielt eine entscheidende Rolle in dieser Situation. Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wird der demografische Wandel Deutschland in den kommenden Jahrzehnten stark verändern. Besonders die Alterung der Gesellschaft stellt ländliche Regionen vor große Herausforderungen. Das BMLEH fördert innovative Ansätze in ländlichen Gebieten, um diesen Problemen entgegenzuwirken. Ohne Zuwanderung würde die Gesamtbevölkerung in Deutschland schrumpfen, was für Städte wie Themar fatale Folgen haben könnte.

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Das Ministerium hat besondere Programme ins Leben gerufen, um ländliche Regionen zu stärken. Dabei wird auch die Integrierte Ländliche Entwicklung in Betracht gezogen, um gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land zu schaffen. Die Herausforderung für Themar und ähnliche Orte besteht darin, die Lebensqualität aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den demografischen Wandel zu bewältigen. Die Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten des Thünen-Instituts könnten hierbei von großem Nutzen sein, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels besser zu verstehen und zu handhaben.