Kalkstein-Tagebau in Thüringen: Kontroverses Projekt der Dyckerhoff GmbH sorgt für Diskussionen
In der malerischen Region Thüringen, genauer gesagt in der Nähe des Ortes Deuna, plant die Dyckerhoff GmbH eine bedeutende Erweiterung ihres Kalkstein-Tagebaus. Die Pläne sehen eine Ausweitung um 83 Hektar vor, was natürlich bei den Anwohnern auf gemischte Gefühle stößt. Die ersten Unterlagen zu diesem Vorhaben wurden bereits 2019 eingereicht, und die entscheidende Erörterung, bei der auch die Sorgen der Bevölkerung Gehör finden sollten, fand vor kurzem statt. Allerdings gab es einen kleinen Wermutstropfen: Medien waren beim Erörterungstermin nicht zugelassen – ein Umstand, der für viel Gesprächsstoff sorgte.
Die geplante Abbaufläche zielt darauf ab, über einen Zeitraum von 60 bis 65 Jahren bis zu 140 Millionen Tonnen Gips zu gewinnen. Aktuell umfasst das Betriebsareal der Dyckerhoff GmbH etwa 910 Hektar. Die Rodung des betroffenen Waldes, der dicht bewachsen ist und eine Vielzahl von Tieren beherbergt – darunter Fledermäuse, Wildkatzen und verschiedene Vogelarten – soll zwischen September und Februar stattfinden, um die Tiere nicht unnötig zu stören. Zum Ausgleich sollen Fledermauskästen aufgehängt werden. Die Forstbehörde hat den hohen Wert des Waldes hervorgehoben und betont, dass eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands bis zu 200 Jahre dauern könnte.
Behördliche Einschätzungen und Anwohnerstimmen
Die untere Naturschutzbehörde sieht die Auswirkungen des Vorhabens auf die Natur als relativ gering an, während die Behörden aus den umliegenden Landkreisen Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis und Eichsfeldkreis dem Projekt positiv gegenüberstehen – natürlich unter gewissen Auflagen. In der Gemeinde Helbedündorf, wo das Vorhaben angesiedelt ist, gibt es trotz Widerstand in der Bevölkerung eine Mehrheit, die dem Vorhaben zustimmt. Besonders interessant ist die Meinung des Ortsteilbürgermeisters von Zaunröden, einem der am stärksten betroffenen Gemeinden. Er berichtet von einem konstruktiven Austausch mit Dyckerhoff, was immerhin ein Lichtblick in der Diskussion ist.
Ein weiterer Aspekt, der die Diskussion belebt, sind die eingerichteten Sprengungen, die in bis zu 500 Metern Entfernung vom Wohngebiet stattfinden sollen. Hier stellt sich die Frage, wie dies von den Anwohnern aufgenommen wird. Zudem hat Dyckerhoff 2024 drei Millionen Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde Niederorschel gezahlt und beschäftigt aktuell 213 Mitarbeiter im Werk. Das ist sicherlich ein nicht zu vernachlässigender wirtschaftlicher Faktor.
Umwelt- und Rechtsaspekte
Ein weiterer Punkt, der im Hintergrund schwebt, ist ein laufendes Kartellverfahren der EU-Kommission gegen Zementhersteller, in dem der Verdacht auf illegale Vorteile geäußert wird. Das wirft natürlich ein Schatten auf die gesamte Branche und könnte auch die Pläne von Dyckerhoff beeinflussen. Die Genehmigungsprozesse sind nicht zu unterschätzen: Der obligatorische Rahmenbetriebsplan wurde bereits im September 2019 eingereicht, und eine FFH-Verträglichkeitsstudie musste erstellt werden, um die naturschutzfachlichen Belange zu berücksichtigen.
Die Diskussion um den Kalkstein-Tagebau in Deuna ist also vielschichtig und zeigt, wie Industrie, Naturschutz und Anwohnerinteressen teilweise aufeinanderprallen. Dyckerhoff selbst hat eine lange Geschichte in der Region, und die Kalksteingewinnung ist entscheidend für die Versorgung des Zementwerks in Deuna. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird, und ob die geplanten Maßnahmen sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch tragfähig sind.
