Heute ist der 19.04.2026 und für rund 259.000 Schülerinnen und Schüler in Thüringen beginnt am Montag der Unterricht nach den Osterferien wieder. Die Rückkehr in die Klassenzimmer ist nicht nur ein Zeichen für das Ende der Ferien, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung der bevorstehenden Abschlussprüfungen, die für viele Schüler ab Ende April anstehen. Im aktuellen Abi-Jahrgang sind 6.065 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben, die sich auf die Abiturprüfungen vorbereiten, die am 28. April mit Deutsch (erhöhtes Anforderungsniveau) beginnen. Weitere Prüfungen in Fremdsprachen wie Englisch, Italienisch, Russisch, Spanisch und Latein folgen am 30. April. Der Abschluss der Abiturprüfungen ist für den 10. Juni geplant.
Parallel dazu werden 6.075 Jugendliche die Besondere Leistungsfeststellung (BLF) ablegen, die am 12. Mai startet. Diese Prüfung sichert Gymnasiasten einen Realschulabschluss, falls sie das Abitur nicht bestehen oder die Schule vor der Abi-Prüfung verlassen. Für Zehntklässler an Regelschulen beginnen die Prüfungen am 21. Mai mit Deutsch, gefolgt von der Mathematikprüfung am 26. Mai. Im Abschlussjahrgang für den Realschulabschluss sind 8.945 Schülerinnen und Schüler, während 3.921 Jugendliche den (qualifizierten) Hauptschulabschluss anstreben. Weitere Informationen zu den Prüfungen in Thüringen finden Sie in einem Artikel von n-tv.
Die Diskussion um die BLF
Die Besondere Leistungsfeststellung steht derzeit im Zentrum intensiver Diskussionen. Steffen Kobrow aus Bad Frankenhausen hat über 2.500 Unterschriften für eine Petition zur Abschaffung der BLF gesammelt. Seine Argumentation basiert auf der Annahme, dass die BLF eine große Belastung für die Schüler darstellt und viele von ihnen Schwierigkeiten haben, die Prüfung zu bestehen. In diesem Jahr ist der Anteil der Schüler, die die BLF bestehen, von 98% auf 90% gefallen.
Die Landesschülervertretung hat sich ebenfalls gegen die BLF in ihrer aktuellen Form ausgesprochen und fordert eine Anpassung an das Niveau der Realschulabschlussprüfung. Erik Sczygiol von der Landesschülervertretung bezeichnet die BLF als schwieriger als den Realschulabschluss an Regelschulen. Auch die Landeselternvertretung schließt sich dieser Forderung an, wobei Elternsprecher Peter Oehmichen den Stress und den Mangel an Lehrern als wesentliche Probleme hervorhebt. Lehrerverbände hingegen plädieren für die Beibehaltung der BLF, sehen jedoch Änderungsbedarf, beispielsweise bei der Reduzierung des Prüfungsumfangs.
Die Perspektive der Bildungsbehörden
Das Thüringer Bildungsministerium unterstützt die BLF und betont die positiven Effekte auf die Bildungsqualität. Heike Schimke vom Thüringer Philologenverband hebt hervor, dass die BLF zur Verbesserung des Abiturdurchschnitts beiträgt. Eine Anhörung zur Petition im Landtag ist für das erste Quartal 2026 geplant, und die SPD-Fraktion im Thüringer Landtag zeigt Bereitschaft, das Thema zu diskutieren, auch wenn die Abschaffung der BLF nicht im Koalitionsvertrag steht.
Das Bildungssystem in Thüringen hat sich seit 2003 mit der Etablierung der Inklusion weiterentwickelt. Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf hat Vorrang, und das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung unterstützt Schulen mit Fortbildungen. Auf diese Weise soll eine optimale Lernumgebung für alle Schüler geschaffen werden.
Insgesamt spiegelt die bevorstehende Prüfungszeit in Thüringen nicht nur den individuellen Leistungsdruck wider, sondern auch die komplexen Diskussionen über die Bildungsstandards und -bedingungen, die für die Schüler von Bedeutung sind. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, sowohl für die Schüler als auch für die Bildungspolitik in Thüringen.