Das Rennsteiglied, die heimliche Hymne Thüringens, hat kürzlich einen bedeutenden Schritt gemacht – auch wenn es noch bis 2081 dauern wird, bis es offiziell zur Thüringer Hymne erhoben werden kann. Bei einer festlichen Veranstaltung in der Staatskanzlei wurde die Aufnahme des Liedes ins immaterielle Kulturerbe verkündet. Karin Roth, die Tochter des Komponisten Herbert Roth, übergab eine Urkunde, während Herwig Hopf das Singen des Liedes mit seinem Schifferklavier begleitete. Thüringer feiern das Rennsteiglied nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch weltweit. Ein besonders lustiger Moment war, als Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) das Lied in einer Karaoke-Bar in New York sang – das zeigt, wie sehr das Lied die Herzen der Menschen berührt.

Erst 1951 präsentierte Herbert Roth das Rennsteiglied zum ersten Mal in Hirschbach bei Suhl. Es gilt als Liebeserklärung an die Heimat und thematisiert die Verbundenheit zur Natur und die Freude am Wandern – besonders auf dem berühmten Rennsteig, einem 170 Kilometer langen Höhenwanderweg im Thüringer Wald. Die Zeile «Am Rennsteig, wo ich wandere» stammt direkt von Roth. Der Text mit der Anfangszeile «Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land» wurde von seinem Jugendfreund Karl «Kaschi» Müller verfasst. Das Lied erfreute sich großer Beliebtheit, bekam aber auch kritische Stimmen, insbesondere von DDR-Funktionären, die ihm Kitsch und Nationalismus vorwarfen. Doch das tat dem Erfolg keinen Abbruch; Roth wurde sogar zu einem Privatkonzert bei SED-Chef Walter Ulbricht eingeladen. Nach dem Mauerfall blieb das Lied ein fester Bestandteil der thüringischen Kultur.

Das Lied im immateriellen Kulturerbe

Im Jahr 2023 wurde das Singen des Rennsteiglieds offiziell in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Diese Entscheidung folgt einem mehrstufigen Auswahlverfahren, das von einer unabhängigen Fachjury auf Landesebene durchgeführt wird. Der Kulturminister entscheidet dann, welche Vorschläge in das Landesverzeichnis aufgenommen werden, bevor sie an die Deutsche UNESCO-Kommission zur Bewertung weitergeleitet werden. Ein interessanter Aspekt ist, dass die nächste Bewerbungsrunde voraussichtlich im Frühjahr 2027 stattfinden wird. Gruppen aus Thüringen, die kulturelle Traditionen pflegen und Wissen an zukünftige Generationen weitergeben, können sich um die Aufnahme bewerben – dazu zählen auch Vereine und lokale Gemeinschaften.

Das Rennsteiglied wurde nicht nur von Herbert Roth selbst gesungen. Auch bekannte Musiker wie Florian Silbereisen und die Wildecker Herzbuben haben es gecovert. Auf Plattformen wie YouTube und Spotify finden sich zahlreiche Versionen, einige mit über einer Million Aufrufen. Ein Moment, der den Stolz der Thüringer wohl am besten zusammenfasst, war, als der Thüringer Rodler Max Langenhan das Lied nach seinem Olympia-Sieg 2022 völlig textsicher anstimmte. Das Lied wird bei vielen Anlässen in Thüringen gesungen – sei es bei Wanderungen, Volksfesten oder Sportveranstaltungen. Ministerpräsident Voigt hat sogar angekündigt, dass das Rennsteiglied bald an allen Thüringer Schulen gelehrt werden soll, um das Heimatgefühl zu fördern.

Die Kultur Thüringens lebt durch solche Lieder und Traditionen, die tief in den Herzen der Menschen verwurzelt sind. Das Rennsteiglied bleibt ein Symbol der Identität und Verbundenheit, nicht nur in Thüringen, sondern auch in der ganzen Welt. Und so wird es auch weiterhin gesungen, gefeiert und geliebt – die Seele Thüringens, die mit jedem Ton durch die Höhen und Wälder des Landes schwingt.

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