Im Wartburgkreis, wo die Bauarbeiter unter der Sonne stehen und oft unter extremen Wetterbedingungen schuften, wird die Situation für viele zunehmend prekär. Rund 1.520 Bauarbeiter sind hier aktiv, doch nur etwa 90 von ihnen sind älter als 63 Jahre. Diese Zahlen sprechen Bände – viele der Arbeitskräfte müssen aus gesundheitlichen Gründen schon vor dem 67. Lebensjahr in den Ruhestand gehen. Ralf Eckardt von der IG BAU Thüringen bringt es auf den Punkt: „Die körperliche Belastung ist enorm.“ Viele Bauarbeiter können ihren Job schlichtweg nicht bis ins hohe Alter ausüben. Die Gewerkschaft fordert daher nicht nur eine Flexi-Rente, sondern auch einen besseren Übergang in den Ruhestand. Vor allem in Berufen mit hoher körperlicher Belastung ist das dringend nötig.

Diese Forderungen sind nicht nur lokale Anliegen. Ähnliche Stimmen kommen auch aus Ludwigshafen, wo etwa 2.250 Bauarbeiter beschäftigt sind. Hier sind, wie im Wartburgkreis, lediglich rund 90 der Arbeiter über 63 Jahre alt. Rüdiger Wunderlich, Vorsitzender der IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz, erkennt die körperlich harte Arbeit der Bauarbeiter unter schwierigen Bedingungen an. Auch hier wird eine Anpassung der Rente an den Härtegrad der Arbeit gefordert. Die IG BAU ist sich einig: Ein „Expresszugang in den regulären Ruhestand“ für belastende Berufe ist unerlässlich.

Rentenpolitik und die Baby-Boomer-Generation

Besonders die Baby-Boomer-Generation, die im Wartburgkreis etwa 26.000 Menschen umfasst, steht vor großen Herausforderungen. In den nächsten zehn Jahren werden viele von ihnen in Rente gehen. Doch die geplante Abschaffung der Rente mit 63 wird als problematisch angesehen. Ralf Eckardt warnt, dass dies das Vertrauen in den Staat gefährden könnte. „Die Enttäuschung dieser Generation könnte weitreichende Folgen haben“, erklärt er. Und er hat recht. In den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwaldkreis, die insgesamt über 8.000 Bauarbeiter beschäftigen, sind viele gesundheitlich nicht in der Lage, bis zur regulären Altersgrenze zu arbeiten.

Die IG BAU fordert eine garantierte Haltelinie beim Rentenniveau, damit Absenkungen unter 48 Prozent vermieden werden. Man möchte nicht, dass die Lebensstandards weiter sinken. Dirk Wiechert von der IG BAU hat ebenfalls die gesundheitlichen Herausforderungen im Bauwesen im Blick. Die Pläne der Rentenkommission zur Hinausschiebung des Renteneintrittsalters ohne flexible Übergänge stoßen auf scharfe Kritik. Die Gewerkschaft appelliert eindringlich an die Bundestagsabgeordneten, sich für diese Anliegen stark zu machen, um den Bauarbeitern in Deutschland eine gerechtere Rentenpolitik zu ermöglichen.

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