Die Wasenboje: Ein sicherer Hafen für Frauen im Trubel des Cannstatter Volksfests
Das Cannstatter Volksfest ist für viele ein Highlight im Jahreskalender, ein Ort voller Freude, buntem Treiben und köstlichen Spezialitäten. Doch wie bei vielen großen Veranstaltungen gibt es auch hier Schattenseiten, die nicht ignoriert werden dürfen. Die „Wasenboje“ hat sich deshalb als Anlaufstelle für Mädchen und Frauen etabliert, um Hilfe in kritischen Situationen zu bieten.
Seit ihrem Bestehen im Herbst 2023 hat die „Wasenboje“ bereits rund 1.500 Mädchen und Frauen betreut. Sie fungiert als sicherer Rückzugsort, wenn es um sexuelle Belästigungen oder körperliche Übergriffe geht. Die Mitarbeiterinnen, die sozialpädagogische oder psychologische Fachkräfte sind, stehen den Besucherinnen zur Seite, wenn sie sich bedroht fühlen oder einfach nur einen Moment der Ruhe brauchen. Hier können sie durchatmen, ihr Handy aufladen oder Unterstützung beim sicheren Nachhausekommen erhalten.
Hilfe und Unterstützung
Die Zielgruppe dieser Initiative sind Mädchen und Frauen, und das ganz unabhängig davon, ob sie eine Anzeige erstatten möchten oder nicht. Es wird vermutet, dass viele Vorfälle im Dunkelfeld bleiben, da sie nicht gemeldet werden. Im Jahr 2025 wurden zwar 19 Anzeigen wegen sexueller Belästigung registriert, aber es ist klar, dass die Dunkelziffer viel höher sein könnte. Zudem zeigen die Zahlen, dass ein Viertel der kritischen Fälle minderjährige Mädchen betraf.
Die „Wasenboje“ verfolgt drei zentrale Ziele: Akute Hilfe bei sexualisierter Belästigung, Prävention in harmlosem Rahmen (zum Beispiel, wenn das Handy leer ist) und die Sensibilisierung für Themen wie Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt. Gerade in einem Umfeld, das von Alkoholkonsum geprägt ist, wird die Unterstützung durch die „Wasenboje“ immer wichtiger.
Die Rolle der Polizei und der Bundesregierung
Die Polizei hat in den letzten Jahren einen Anstieg der Anzeigen wegen sexueller Belästigung festgestellt. Im Jahr 2024 waren es 23, im Jahr 2025 nur leicht gesunken auf 19. Auch Fälle von Verletzungen des Intimbereichs durch Bildaufnahmen sind ein ernstes Thema, das nicht ignoriert werden kann. Die Bundesregierung plant sogar höhere Strafen für den Einsatz von K.-o.-Tropfen, um dem entgegenzuwirken.
Doch trotz all der Herausforderungen sieht die „Wasenboje“ Lichtblicke. Der Rückgang im Budget von 100.000 auf 80.000 Euro führte zwar zu Anpassungen bei den Öffnungszeiten, die nun erst um 15.00 Uhr anstatt um 13.00 Uhr beginnen, dennoch bleibt der Rückzugsort ein wichtiger Bestandteil des Volksfestes, das vom 25. September bis 11. Oktober 2026 stattfinden wird.
Ein Blick auf die Dunkelfeldstudie
Parallel zu den Bemühungen vor Ort wird im März 2024 eine nationale Dunkelfeldstudie zur sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland starten. Diese Studie, die vom Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit und anderen Institutionen durchgeführt wird, soll helfen, das Wissen über das Ausmaß der sexualisierten Gewalt zu erweitern. Die Ergebnisse könnten auch für die Arbeit der „Wasenboje“ von Bedeutung sein und helfen, zukünftige Maßnahmen besser zu gestalten.
Die „Wasenboje“ bleibt ein unverzichtbarer Teil des Cannstatter Volksfestes, ein Ort, an dem Mädchen und Frauen in schwierigen Situationen Unterstützung finden können. Die Herausforderungen sind groß, doch das Engagement der Mitarbeiterinnen und die wachsende Sensibilisierung für diese Themen geben Anlass zur Hoffnung.
