Zukunft statt Kahlschlag: Ein Protest für die Autoindustrie in der Krise
In Baden tut sich was. Am 22. September 2026 mobilisiert die IG Metall rund 175.000 Beschäftigte der Autoindustrie in Deutschland vor der bevorstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. An etwa 280 Orten, darunter große Städte wie Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt und München, finden Protestaktionen statt. Die Menschen gehen auf die Straße, um gegen Jobabbau, mögliche Werkschließungen und die Forderung nach längeren Arbeitszeiten zu demonstrieren. Das Motto dieser Aktionen, „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“, bringt den Unmut und die Ängste der Beschäftigten auf den Punkt.
Die deutschen Autobauer stehen unter Druck. Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der Autoindustrie nur noch 691.500 Menschen beschäftigt, der niedrigste Stand seit 2005. Abbauprogramme betreffen Zehntausende, besonders bei großen Namen wie Mercedes-Benz, BMW und VW, sowie deren Zulieferern wie Bosch und ZF Friedrichshafen. Bei Volkswagen wird sogar über die Schließung von Werken in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm diskutiert. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisiert die Auto-Manager scharf für ihre Fehlentscheidungen und fordert mehr Verantwortung. Sie sieht die Notwendigkeit für Investitionen in neue Produkte und Technologien und lehnt Angriffe auf die 35-Stunden-Woche und die bestehenden Tarifverträge entschieden ab.
Die wirtschaftliche Lage der Autoindustrie
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind alles andere als rosig. Hohe Arbeitskosten in Deutschland – etwa 65 Euro pro Stunde – stehen in krassem Gegensatz zu den 24 Euro in Tschechien oder den 18 Euro in Polen. Dazu kommt ein aggressiver Preiskampf und schwache Geschäfte in China, was die deutschen Hersteller zusätzlich belastet. Der Umsatz der deutschen Autobauer sank im ersten Halbjahr um 2,9 Prozent auf rund 284 Milliarden Euro, und der operative Gewinn fiel um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro – der niedrigste Wert seit 2020. Die strukturellen Kostennachteile sind für die Unternehmen spürbar, und EY-Experte Constantin Gall weist darauf hin, dass dies die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Konzerne stark beeinträchtigt.
Am 7. Oktober beginnen die ersten Verhandlungen zur Tarifrunde, während die aktuellen Verträge zum 31. Oktober auslaufen. Rund 3,7 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie sind von diesen Verhandlungen betroffen. Für die Volkswagen AG gilt ein eigener Haustarifvertrag, der ebenfalls zum Jahresende ausläuft.
Forderungen und Herausforderungen
Die IG Metall hat bereits jetzt klare Forderungen formuliert. Die Tarifkommissionen haben sich in den letzten Wochen intensiv mit der wirtschaftlichen Lage auseinandergesetzt und die Kündigung der aktuellen Entgelttarifverträge beschlossen. Diese Verhandlungen sollen die Grundlage für neue, bessere Bedingungen schaffen. Betriebsräte berichten von sehr unterschiedlichen Situationen in den Betrieben: Während einige mit Auftragsmangel und drohenden Schließungen kämpfen, erleben andere eine gute Auftragslage. Besonders die Autoindustrie und der Maschinenbau stehen unter Druck, während es in der Luft- und Raumfahrtindustrie, der Rüstungsindustrie, der Halbleiterbranche und den erneuerbaren Energien besser läuft.
Christiane Benner betont, dass das Sparen an Arbeitskosten nicht der richtige Weg ist. Stattdessen fordert sie Unterstützung durch Industriepolitik, Innovationen und Investitionen. Der Fokus der Tarifrunde liegt klar auf der Stärkung der Entgelte, der Schaffung von Perspektiven für Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie der Entlastung der Beschäftigten. Die Mitglieder der Tarifkommissionen sind sich einig: Es braucht eine Entgeltentwicklung, die die gestiegenen Preise auffängt. Die Zeit drängt, und die Sorgen der Menschen sind groß. Die kommenden Verhandlungen werden entscheidend sein für die Zukunft von Millionen Beschäftigten in der Branche.
