Bregenz gewinnt das Ländle-Derby nach sieben Jahren – Astthorsson wird zum 13-Tore-Helden
In der Arena Rieden-Vorkloster war am Derbyabend ordentlich Spannung in der Luft: Bregenz Handball bezwang den ALPLA HC Hard mit 35:34 (17:17) und gewann damit erstmals seit sieben Jahren wieder ein Ländle-Derby vor heimischem Publikum. Der letzte Sieg gegen den Erzrivalen datierte aus dem Cup-Halbfinale im Mai 2022.
Der Mann des Abends war Gudmundur Bragi Astthorsson. Der 24-jährige Isländer traf 13-mal, sieben seiner Tore fielen nach der Pause, und wurde damit Bregenz’ Topscorer. Für seine Leistung ist er der „Kopf der Woche“. Der 17-jährige Mladen Ujdur steuerte sechs Treffer bei. Hards Lukas Fritsch erzielte mit einem Siebenmeter bei der Schlusssirene den Endstand – mehr Drama war kaum noch hineinzupacken.
Astthorsson trifft und lenkt
Mit 70 Toren in acht Spielen führt Astthorsson die Torschützenliste der MEHRLEBEN HLA MEISTERLIGA powered by Finanzfuchsgruppe an. Im Schnitt sind das 8,75 Treffer pro Partie. Seit dieser Saison spielt er für Bregenz Handball, hat sich nach eigenen Angaben gut in Vorarlberg eingelebt und fühlt sich in der Mannschaft wohl. Das Team beschreibt er als eine Mannschaft mit guter Energie.
Als Rückraum-Mitte-Spieler will der Isländer möglichst komplett sein: das Spiel lenken und zugleich selbst torgefährlich bleiben. Der eigene Torabschluss gehört für ihn schlicht zu seiner Spielweise. Den Derbyabend empfand Astthorsson als sehr positiv, vor allem wegen der Atmosphäre in der Halle. Die dürfte nach der Pause noch einmal lauter geworden sein: Bregenz legte mit einem 4:0-Lauf los und setzte sich vorentscheidend um vier Tore ab.
Hard kam danach mehrfach heran, ging aber nicht mehr in Führung. Bregenz spielte im Angriff konsequenter, verteidigte härter und hatte mehr Torhüterparaden. Ab der 39. Minute musste die Mannschaft außerdem ohne Max Bergmayer auskommen, der nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah. Claudio Svecak war zuvor der einzige Spieler im Bregenzer Kader gewesen, der bereits einen Derbysieg erlebt hatte. Für Trainer Julian Rauch war es das erste Derby auf der Bregenzer Bank.
Jetzt wartet der amtierende Meister
Mit neun Punkten aus acht Spielen verbesserte sich Bregenz von Rang sieben auf Rang vier. Am Samstag um 18:30 Uhr geht es auswärts gegen den amtierenden Meister roomz JAGS Vöslau. Vöslau erwischte laut Artikel keinen optimalen Saisonstart, gewann zuletzt aber gegen den HC FIVERS WAT Margareten und im Europacup.
Astthorsson erwartet ein schwieriges Spiel. Bregenz müsse sich im Vergleich zu den letzten beiden Auswärtsspielen steigern, um erneut zwei Punkte zu holen. Für Hard geht es am Freitag um 19 Uhr weiter: Der Klub empfängt den WAT Atzgersdorf.
Der Isländer bringt einiges an Erfahrung mit. Mit Islands U21 gewann er bei der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille, außerdem spielte er bereits in einer der stärksten Ligen Europas. Aus seinen Stationen in unterschiedlichen Mannschaften, Ligen und Ländern habe er viel gelernt. Beim Wechsel vom dänischen zum österreichischen Handball bemerkte er Unterschiede beim Tempo und bei den Interaktionen – Kleinigkeiten, die sich im Spiel dann eben doch bemerkbar machen.
Die Liga und ihr langer Schatten
Die HLA Meisterliga ist die höchste österreichische Handballliga der Männer und wird vom Österreichischen Handballbund (ÖHB) veranstaltet. Seit der Saison 2021/22 umfasst sie zwölf Mannschaften; aktuell läuft die Saison 2025/26. TV-Partner sind ORF und Krone.tv, Informationen gibt es auf hla.at. Über die Liga qualifizieren sich Teams für die EHF European League und den EHF European Cup.
In der Hauptrunde spielt jedes Team eine Hin- und Rückrunde gegen alle anderen Mannschaften. Danach wird geteilt: Die acht besten Teams spielen im Viertelfinale um die Meisterschaft, die vier letztplatzierten Mannschaften bestreiten ein Play-off gegen den Abstieg in die HLA Challenge.
Der aktuelle Meister der Saison 2024/25 ist UHK Krems. Für die Saison 2025/26 wird im Artikel Jags Vöslau als Meister genannt – der erste Titel des Vereins. Bregenz Handball bleibt mit neun Meisterschaften Rekordmeister. In der Meisterliste folgen HC Linz AG mit acht Titeln, HC Hard mit sieben, ATSE Graz, SG Handball West Wien und UHK Krems mit jeweils sechs, HSG Raiffeisen Bärnbach/Köflach mit fünf sowie Handballclub Fivers Margareten und UHC Salzburg mit jeweils drei. HC Bruck kommt auf zwei Titel; Union Edelweiß Linz, Salzburger AK 1914, UHC Stockerau und Jags Vöslau jeweils auf einen.
Die Geschichte reicht weit zurück. Österreichische Meisterschaften im Feldhandball wurden von 1923 bis 1972 ausgetragen, Hallenhandball-Meisterschaften gibt es seit 1961 – zunächst nur für Männer. Von 1961 bis 1969 wurde der Meister in einem Turnier ermittelt, erster österreichischer Meister im Hallenhandball war Union Edelweiß Linz. Zu den frühen starken Vereinen zählten ATSV Linz, UHC Salzburg, Union Edelweiß Linz und der Salzburger AK.
Bis 1976/77 gewannen Bärnbach und Krems besonders häufig, danach holte Linz vier Jahre in Folge den Titel. ATSE Waagner Biro Graz kam in neun Jahren auf sechs Meisterschaften. Ab 1988/89 entwickelte sich UHK Volksbank Wien zum führenden Verein und gewann bis 1992/93 fast jede Meisterschaft. Bis 2000 gingen weitere Titel nach Linz sowie nach Bruck und Bärnbach.
Von 2000 bis 2010 gewann jedes Jahr ein Verein aus Vorarlberg die Meisterschaft. HC Hard unterbrach Bregenz’ Serie 2002/03. Die Fivers Margareten holten 2010/11 erstmals seit zehn Jahren wieder den Titel für ein anderes Bundesland. Danach gewann HC Hard vier Meisterschaften in Folge, von 2011/12 bis 2014/15. Die Fivers beendeten diese Serie 2015/16, HC Hard schlug 2016/17 noch einmal zu.
Seit 2017/18 gibt es mit spusu wieder einen Hauptsponsor, in jener Saison gewannen erneut die Fivers. Ab 2018/19 hieß die Liga nach einer Erweiterung der Partnerschaft spusu LIGA. UHK Krems wurde 2018/19 Meister und beendete damit eine achtjährige Titelserie von HC Hard und den Fivers. Die Saison 2019/20 wurde wegen der COVID-19-Pandemie in Österreich abgebrochen, einen Meister gab es nicht. 2020/21 gewann HC Hard seinen siebten Titel. Vor der Saison 2021/22 wurde die Liga von zehn auf zwölf Teams erweitert und das heutige Play-off-System eingeführt.
