Heute ist der 23.09.2026 und in Bregenz tut sich was. Meinrad Pichler bringt mit seinem neuen Buch „Hin und Her. Transatlantische Leben“ frischen Wind in die Erzählungen über die Vorarlberger Auswanderungsgeschichte. In seinem Werk erzählt er von 21 Vorarlbergern, die mit den Themen Aufbruch, Rückkehr und der ewigen Frage nach Heimat zu kämpfen haben. Pichler hat eine Auswandererkartei mit rund 10.000 Namen erstellt – das ist eine richtig beeindruckende Zahl, die zeigt, wie viele Menschen aus unserer Region in die Ferne gezogen sind. Ein großes Kapitel der Vorarlberger Geschichte, das hier lebendig wird.

In der Erzählung von Pichler findet sich der Handelsreisende Franz Ganahl, der nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg in die Fänge der berüchtigten Jesse-James-Bande gerät, allerdings nur mit Schuhsohlenleder in der Tasche. Oder die Geschichte von Maria Meusburger, die nach Jahren in Amerika in ihren Bregenzerwald zurückkehrt – und nie mehr eine Tracht anzieht. Die Rückkehr ist oft nicht so einfach, wie man denkt. Auch Christian Ganahl, ein unermüdlicher Atlantiküberquerer, hat Schwierigkeiten, sich für ein endgültiges Weggehen zu entscheiden. Man fragt sich, was in diesen Menschen vorgeht, wenn sie zwischen zwei Welten stehen.

Die Geschichten von Pichler

Adolph Dür wandert mit nur 16 Jahren nach Ohio aus, kehrt aber immer wieder an den Bodensee zurück. Und dann ist da Franz Miller, der den Weltkrieg und die russische Gefangenschaft übersteht, alles versucht, um in Amerika neu anzufangen – nur um schließlich zurückzukehren und von den Nazis ermordet zu werden. Solch eine Tragik findet man nicht oft. Pichler nutzt für seine Nachforschungen unter anderem Kirchenbücher, Passagierlisten und Zeitungen. Da steckt eine Menge Arbeit und Hingabe dahinter. Lustig wird es auch, wenn August Bodmer 1876 nach 16 Jahren in Amerika mit einem lebenden Alligator nach Vorarlberg zurückkehrt. Ein echter Hingucker! Und die Geschichte von Wilhelmina „Mina“ Dobler, die über die Schweiz nach Nizza gelangt und nie mehr zurückkommt, ist eine weitere Facette dieser bewegten Schicksale.

Die Vorarlberger Auswanderung ist nicht nur eine Geschichte des Aufbruchs, sondern auch eine tief verwurzelte Tradition. Historisch gesehen war Vorarlberg ein Auswanderungsland, bevor es zum Einwanderungsland wurde. Mangel an natürlichen Ressourcen und der beengte Lebensraum trieben viele Menschen in die Ferne. Besonders die Saisonarbeiter, wie die Barockbaumeister aus dem Bregenzerwald oder die Krauthobler aus Montafon, waren europaweit bekannt. Die Auswanderungswellen nach der Revolution von 1848 und zwischen 1920 und 1930 führten viele in die USA oder nach Südamerika.

Einwanderung und Vielfalt

Vorarlberg hat seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert einen offenen Arbeitsmarkt für Zuwanderer gehabt. Die Website www.migraton.at dokumentiert diese Migrationsgeschichte und bietet auch akustische Elemente, um die Geschichten hörbar zu machen. Es gab zahlreiche Zuwanderungsphasen: Von der deutsch- und italienischsprachigen Zuwanderung aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis hin zu den Flüchtlingsbewegungen aus Ungarn, Vietnam oder dem Kosovo. Ab 1964 kamen viele türkische Arbeiter als Gastarbeiter, viele von ihnen blieben und gründeten Familien. Die Zuwanderung aus dem ehemaligen Jugoslawien ab 1966 hat ebenfalls eine vielfältige Musikpraxis in Vorarlberg etabliert.

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Und auch die Zuwanderung von Pflegekräften aus den Philippinen, die seit den 1970er Jahren nach Vorarlberg kommen, ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Diese Vielfalt bereichert unsere Kultur und unser tägliches Leben. Vorarlberg wird mehr und mehr zu einem Schmelztiegel der Kulturen, was sich auch in der Musik und in sozialen Initiativen zeigt. Die Gründung von Kulturvereinen zur Pflege der Identität ist ein schönes Beispiel für den sozialen Zusammenhalt, der durch die verschiedenen Einflüsse entstanden ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Migrationsgeschichte Vorarlbergs ist komplex und vielschichtig. Heute besteht die Bevölkerung oft nicht mehr aus „echten“ Vorarlbergern, da viele Wurzeln anderswo liegen. Und das ist gut so! Denn die verschiedenen Einflüsse machen unsere Region lebendiger und interessanter. Auch die Herausforderungen, die mit der Zuwanderung einhergehen, sind nicht zu unterschätzen. Aber gerade die Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Traditionen macht Vorarlberg zu dem, was es ist – ein Ort voller Geschichte und Geschichten, die erzählt werden wollen. Pichlers Buch ist da sicherlich ein wertvoller Beitrag.