Neusiedl am See: Streit um Pflege von klimaangepassten Grünflächen
Neusiedl am See steht im Fokus der Diskussion um die Umgestaltung seiner Grünflächen. Die Stadtgemeinde hat ein Projekt ins Leben gerufen, das die Umstellung auf den sogenannten „New Pannonian Style“ vorsieht. Dabei sollen hitze- und trockenheitsresistente Pflanzen zum Einsatz kommen, um den Auswirkungen des Klimawandels besser entgegenzuwirken. Der Gedanke dahinter ist bestechend: weniger Wasserverbrauch, mehr Nachhaltigkeit. Doch die Realität sieht anders aus.
Die Grünen in Neusiedl werfen der Stadtregierung vor, diese klimaangepassten Beete zu vernachlässigen oder gar zu zerstören. Von den rund 80 seit 2015 angelegten Beeten gelten bereits die Hälfte als „verfallen oder unwiederbringlich verloren“. Das ist nicht nur ein Verlust für die Umwelt, sondern auch für die Bürger: Pflanzen im Wert von über 55.000 Euro und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit sind verloren gegangen. Rainer Fussenegger, ein Mitglied des Grünen Gemeinderats, spricht von einem „absoluten Skandal“ und fordert dringend eine fachgerechte Pflege der Beete. Er signalisiert zudem Gesprächsbereitschaft für nachhaltige Lösungen mit der Stadtgemeinde. Bilder von desolaten Beeten wurden in die öffentliche Diskussion eingebracht, was die Gemüter zusätzlich erhitzt hat.
Stadtgemeinde wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Reaktion der Stadtgemeinde ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm von der SPÖ wies die Vorwürfe vehement zurück. Sie betont, dass kein Beet zerstört wurde, sondern dass Wühlmäuse Schäden verursacht haben, die sachgemäß beseitigt wurden. Ihre Argumentation wird durch Fotos von gesunden Beeten untermauert, die die Stadt veröffentlicht hat. „Unsere Bauhofmitarbeiter sind speziell geschult und kümmern sich regelmäßig um die Beete“, erklärt sie. Doch die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen wird angezweifelt, gerade angesichts der massiven Kritik der Grünen.
Am 15. Juni 2026 äußerte sich Fussenegger schockiert über die Zustände und betonte, dass es an der Zeit sei, ein Umdenken in der Gemeindeverwaltung und beim Bauhof einzuleiten. „Wir müssen die Steuergelder und das private Engagement schützen“, fordert er. Die Stadtgemeinde könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, um die wertvollen Grünflächen zu erhalten und damit auch einen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten.
Ein Blick auf die größeren Zusammenhänge
Im Rahmen des Förderprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“, das 2020 vom Bund aufgelegt wurde, sollen Kommunen unterstützt werden, um Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Erhaltung, Anpassung und Ausweitung öffentlicher Grün- und Freiflächen. Ziel ist es, die Lebensqualität zu sichern und die Biodiversität zu fördern, während gleichzeitig die Risiken durch extreme Wetterereignisse wie Hitze und Dürre gemindert werden.
Mehr als 300 Projekte wurden seit 2020 in Städten und Gemeinden ausgewählt, um die klimagerechte Umgestaltung von Siedlungsräumen voranzutreiben. Mit insgesamt 656 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds ist ein beachtlicher Betrag in die Hand genommen worden, um die Städte auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten.
Die Diskussion in Neusiedl am See ist also Teil eines größeren Ganzen. Wie wichtig die richtige Pflege und der Erhalt der urbanen Grünräume sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, während die Stadtgemeinde an ihrer Strategie feilt.
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